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August Stramm (1874-1915)

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Wikipedia: August Stramm (* 29. Juli 1874 in Münster (Westfalen); † 1. September 1915 bei Horodec östlich Kobryn [heute: Weißrussland]) war ein Dichter und Dramatiker des deutschen Expressionismus. …

Um 1912 fand Stramm, der sich einige Jahre lang immer wieder an literarischen Arbeiten versucht hatte, zu seinem eigenen Ton. In Werken wie Rudimentär und Die Haidebraut verbinden sich naturalistische Themen mit Sprachexperimenten. Wahrscheinlich unter dem Einfluss des italienischen Futurismus entstehen nun Gedichte, die für den Expressionismus wegweisend werden: Stramm zerstört Wortformen und Syntax und montiert Sprachelemente neu, beispielsweise in dem Gedicht Freudenhaus (1914): „Lichte dirnen aus den Fenstern / die Seuche / spreitet an der Tür / und bietet Weiberstöhnen aus!“

Durch diese Werke kam Stramm in Kontakt mit Herwarth Walden, dem Herausgeber der Zeitschrift Der Sturm, mit dem ihn bald eine enge Freundschaft verband. Die Möglichkeit, endlich in einer angesehenen Zeitschrift zu veröffentlichen und überhaupt Anerkennung zu finden, löste Stramms letzte und produktivste Schaffensphase aus, die vor allem durch die Kriegsgedichte (gesammelt unter dem Titel Tropfblut, 1919) gekennzeichnet ist.

Am 1. September 1915 fiel Stramm beim Angriff auf russische Stellungen am Dnepr-Bug-Kanal.

 

Traumig

Frauen schreiten ab zersehnte Augen
Kinderlachen händelt schmerzes Blut
Fernen nicken
Blüten winken
Kommen sammeln winden
Würgen sticket klamm die tränen Schlund.

Aus: Tropfblut. Gedichte aus dem Krieg. Der Sturm 1919.

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