Fixpoetry

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Lost Voices
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Viktor Friedrich Bitterlich (1892- 1914)

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Geboren am  16.1.1892 in Hainfeld (Niederösterreich), im August 1914 während der Schlacht bei Alt Zamosch schwerverwundet von der russischen Armee gefangengenommen, danach verschollen. Mitglied des »Brenner-Kreises«; Wien. Mitarbeit an den Zeitschriften: Der Ruf. Der Brenner. Das Welttheater, Fremdenblatt. Der Strom. Saturn. Die Schaubühne. Allgemeine Flugblätter Deutscher Nation.

Seine Novellen wurden im Herbst 1919 posthum von Robert Müller für den Heidelberger Saturn-Verlag bearbeitet und erschienen 1920 unter dem Titel „Die erfrorene Grimasse“. Im Nachwort schreibt Müller: „Er steht in Formart und in der inneren Herbheit Sack am nächsten.“
Als Lyriker lehnte er sich an Theodor Däubler und Georg Trakl an.

    An Theodor Däubler

    Ein Schweigen geht durch diese Winternacht.
    Die Erde lauscht in sich. Ihr Herzschlag zittert.
    Ihr bleich Gesicht mit blinden Augen wittert.
    Spürst du den Schnee? Ein Schmerz ist aufgewacht.

    Ihr Herzschlag zittert. Schmerz ist dargebracht!
    Von ihren Lippen gellt ein Schrei und flittert
    Von Stern zu Sternen, blutend hingesplittert.
    Und Scham des Lebens überglüht die Nacht.

    Und Tränen springen singend durch’s Gefunkel
    Und Blut verqualmt und Qual ist aufgespaltet
    Und tausend Sterne brausen in das Dunkel.

    Nicht sein! Nicht sein! Ein Mantel wird entfaltet.
    Und Frost umarmt den Schrei: er starrt und zittert.
    Schweig auch, mein Herz! Ein blindes Antlitz wittert.

Aus: Der Brenner 3 (1912/13), S. 205

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