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Zwei neue Reihen mit Gegenwartslyrik

Für zeitgenössische Lyriker gibt es Publikations­möglich­keiten in einschlägigen Zeitschriften zuhauf, aber regelrechte Gedichtbände bringen nur noch ganz wenige Verlage heraus–und ihre Zahl nimmt stetig ab. Zwei neue Reihen, die im letzten Jahr gestartet wurden, versuchen sich gegen diesen Trend zu stemmen. Das ungewöhnlichere Unternehmen ist das des pensionierten Kunsterziehers Carl-Walter Kottnik, der im Zeichensaal seines Hamburger Gymnasium von 1999 bis 2013 hundert Autorenlesungen veranstaltet hatte, bis die Schule diese weithin beachtete Initiative nicht mehr unterstützte. Es lasen dort unter anderem die Lyriker Elisabeth Borchers, Heinz Czechowski, Gerhard Falkner, Ulla Hahn, Norbert Hummelt, Wulf Kirsten, Ulrich Koch, Richard Pietraß, Steffen Popp, Hendrik Rost und Ron Winkler.

Nachdem Kottnik eine Fortführung seiner Dichterlesungen versagt worden war, entschloss er sich zur Herausgabe einer Lyrikreihe. Die Booklets, wie er sie nennt, umfassen um die 30 Seiten und bieten meist nur 15 Gedichte, sind aber sehr schön gedruckt und sämtlich von Malern der Gegenwart illustriert. Auf dieses Zusammenspiel von Text und Bild kommt es dem Herausgeber besonders an, nicht hingegen auf Einheitlichkeit, denn jedes der ansehnlichen Bändchen hat ein anderes Format.

Im ersten Jahr des Bestehens seiner Reihe hat Kottnik schon zwölf Publikationen herausgebracht, darunter die Sammlungen „Gespräch mit dem Gecko“ von Mirko Bonné, „5-Minuten-Notate“ von Elke Erb, „Aufgegebene Plätze, verlorene Posten“ von Hellmuth Opitz und „Kopf.Bahnhof“ von Anton G. Leitner. Ein Band ist dem Hamburger Schriftsteller Christian Geissler (1928-2008) gewidmet und bietet eine Auswahl aus seinen Gedichtbänden. Zu den illustrierenden Künstlern gehören Alfred Akkermann, Johannes Nawrath, Dana Zoe Dittrich-Wamser und Alfred Wäspi.

Auch in diesem Jahr will der frühere Kunsterzieher seine selbst finanzierte Lyrikreihe, deren Titel jeweils in einer Auflage von 200 nummerierten Exemplaren erscheinen, engagiert fortsetzen. Geplant ist unter anderem ein Bändchen mit Gedichten von Farhad Showghi, als illustrierender Künstler konnte für eine andere Sammlung der ostdeutsche Maler Wolfgang Smy gewonnen worden. Die Drucklegung der Booklets wird durch die Hamburger Kulturbehörde gefördert.

Während sich das Hamburger Projekt dem Enthusiasmus und dem finanziellen Engagement eines Lyrikliebhabers verdankt und keine kommerziellen Interessen verfolgt, handelt es sich bei der ebenfalls im letzten Jahr begründeten Reihe „Quadriga-Poesie“ der Edition Isele (Eggingen) um den Versuch, gewissermaßen durch „Bündelung der Kräfte“ beim Publikum mehr Interesse für zeitgenössische Gedichte zu gewinnen, als es mit dem Einzelband nur eines Lyrikers möglich ist. Es werden nämlich jeweils vier Autoren – daher der Name der Reihe - in einer „Quadriga“-Sammlung präsentiert, die somit ein breiteres Spektrum abbilden und deren Texte durch gemeinsame Veröffentlichung in Beziehung zu einander treten.

So vereinigt der zuerst erschienene Band Gedichte des Literaturwissenschaftlers Elmar Schenkel, der in Leipzig eine Professur für englische Literatur hat, mit Texten der Schweizer Lyriker Ana Lang, Brigitte Tobler und Peter Weingartner. Auch in den beiden weiteren Bänden der Reihe sind die Lyrikbeiträge aus der Schweiz übergewichtet: In Nr. 2 sind das neben Anton Schlösser die eidgenössischen Autoren Jacqueline Crevoirsier, Verena Land und Elsbeth Maag, in Nr. 3 – außer Irena Habalik (Wien) und Eva Christina Zeller (Tübingen) - die Schweizerinnen Magrit Brunner und Ruth Werfel.

In diesem Jahr erscheint die vierte Sammlung von „Poesie-Quadriga“, zu der unter anderem die Lyriker Sylvia Geist (Hannover) und Peter Salomon (Konstanz) Gedichte beisteuern werden. Der Umfang der Bände liegt bei 130 Seiten, ihr Preis um 14 Euro. Auf dem Cover ist jeweils eine Collage aus Fotos der vier beteiligten Autoren zu sehen.   

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