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Gebrochenes Deutsch - roterfadenlyrik

Niederländische Poesiewoche 2014 in Rotterdam und Amsterdam

Mit zwei stimmungsvollen Lesungen in Rotterdam und Amsterdam am 3. und 4. Februar fand das Projekt „Dichter übersetzen Dichter“ der roterfadenlyrik Edition Haus Nottbeck seinen vorläufigen Abschluss. Ellen Widmaier, Thomas Kade und Ralf Thenior lasen aus dem soeben in der Edition Wintertuin erschienenen Gedichtband „Verabredungen / Afspraken“.  Bianca Boer, Tsead Bruinja, Els Moors lasen Übersetzungen und Gedichte, auch von Menno Wigman und Katharina Bauer, die leider verhindert waren.   

Große Wiedersehensfreude und eine festliche Stimmung im Studio De Bakkerij am Bergweg in Rotterdam. Die Rotterdamer Dichterin Bianca Boer hatte zu einem Poesie-Abend in „Gebroken Duits“ eingeladen. Der Abend war perfekt und bis ins Detail, einschließlich einer einstündigen Radiosendung, liebevoll vorbereitet. Besonders schön: Das kleine Heft »Gebroken Duits«, das die deutschen Dichterinnen und Dichter mit einem Gedicht und ihrer Biografie vorstellte. Um es vorweg zu nehmen: Es war für alle ein glanzvolles Ereignis. Danibal, dadaistischer Elektrofolkmusiker des einundzwanzigsten Jahrhunderts, ließ die Luft mit der Mundorgel vibrieren und zeigte später in der Begegnung mit dem außergewöhnlichen Pianisten Rembrandt Frerichs seine Improvisationsqualitäten.

Der Abend in Rotterdam wurde vom dortigen Stadtdichter – eine Einrichtung, die auch in Deutschland Schule machen sollte – eingeleitet und mit literarischem Sachverstand humorvoll-freundschaftlich moderiert. In Wertschätzung des Projekts eröffnete Daniël Dee den Abend mit einem assoziativ-reflektiven poetischen Text über ›Duitsland‹.

Gedichte, Stimmen. Leben und Lebensentwürfe.
Die Lesungen waren inspiriert und gut aufeinander abgestimmt.

Im Verlaufe des Abends wurde deutlich, dass die Übersetzungsarbeiten der beteiligten Dichterinnen und Dichter nicht nur Sprachkunst boten, sondern auch ein kleiner Schritt waren auf dem Weg zum besseren Verständnis der Lebenswelten von Nachbarn.

Das reine Wort war im Goethe-Institut Amsterdam gefragt. Dank Dennis Gaens von Wintertuin, der das Übersetzer-Projekt begleitet und gefördert hat, und diesen eher nachdenklichen Abend moderierte. Menno Wigman, der Stadtdichter von Amsterdam, unterbrach seine Flandern-Lesetour und war an diesem Abend zugegen. Zur Freude aller. Die Namen der Dichterinnen und Dichter und das außergewöhnliche Ereignis lockten viele Interessierte in das prächtige Stadtpalais des Goethe-Institut an der Herengracht, und dank der großzügigen Bewirtung des „Goethe“ summten Bar und Bistro noch Stunden später von angeregten und beschwingten Gesprächen in mehreren Sprachen.

Was am heißesten Wochenende des Jahres 2012 im Museum für Westfälische Literatur Haus Nottbeck begann, findet in diesen starken Gedichtbänden seinen Abschluss. Wenn Dichterinnen und Dichter aus verschiedenen Richtungen zusammenkommen, verstärkt sich die poetische Energie des Raumes. Konzentrierte, stille Arbeit am Wort war der Atmosphäre des schönen Ortes angemessen. Die Abende auf dem Innenhof waren ein Fest der Begegnung.

Auch diese Energie findet sich in der Produktion der beiden Bücher wieder. Die in ihnen enthaltenen Gedichte geben Einblicke in den Alltag, die Träume und Albträume von Nachbarn.

Das Projekt setzt auf Kontinuität: Zum Lyriktag des nächsten LesArt.Festival Dortmund sind Daniël Dee und Danibal eingeladen, und die Veranstalter werden versuchen, Anna Enquist, die neue Stadtdichterin von Amsterdam für eine Lesung in Dortmund zu gewinnen.  

Verabredungen / Afspraken, Katharina Bauer / Thomas Kade / Ralf Thenior / Ellen Widmaier, gedichten, vertalingen: Bianca Boer / Els Moors / Tsead Bruinja / Menno Wigman, Literair Productiehuis Wintertuin, Nijmegen 2013.

Afspraken / Verabredungen, Bianca Boer / Tsead Bruinja / Els Moors / Menno Wigman, Gedichte, ins Deutsche übertragen von Katharina Bauer / Thomas Kade / Ralf Thenior / Ellen Widmaier, roterfadenlyrik Edition Haus Nottbeck, Oelde Dortmund 2012.     

Asmus, 20. Februar 2014

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