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Notiz

Metropolitan zahlt keine Gehälter mehr - die Oper fällt aus.

Briefe aus Berlin

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Metropolitan zahlt keine Gehälter mehr – die Oper fällt aus. Wird nicht bei Deutschlandradio übertragen. Was wäre eigentlich, wenn alles weitergezahlt würde, ohne dass wir die Leistung erhalten hätten? Warum müssen die bereits im Theater bezahlten Tickets erstattet werden? Ja, ja unter gewöhnlichen Umständen --- wir haben aber keine gewöhnlichen Umstände. Ein Blumenhändler hat Schilder aufgestellt: Nicht verkauft. Er meint, ist nicht zum Verkauf, er will keine Kund*innen anlocken, sich anordnungsgetreu verhalten, er ist trotzdem da, gießt die Blumen, versorgt sie, wahrscheinlich, weil er das immer macht. Er möchte nicht wissen, dass sie ihm unverkauft unter der Hand verderben werden. An der Kasse hält der Mann Abstand. Alle halten Abstand. Bis es ans Zahlen geht. Dann schrumpft der Abstand plötzlich zusammen und er kann nicht warten, bis der vorhergehende Kunde seine Sachen gepackt und seiner Wege geht. Abstand vor der Kasse, da ist ein Schild.

Nach der Kasse, da ist kein Schild. Er sagt zur Kassiererin, es sei unmöglich, dass sie dasitze ohne Plexiglas-Schutzschild. Was soll die Kassiererin jetzt machen?

Sie spricht mit uns, den Kundinnen, wir sprechen nicht miteinander. Ich traf sonst niemanden. Im unteren Geschoß öffnet sich eine Tür. Die Bewohnerin tritt heraus und bietet an, Besorgungen zu machen. Sie spricht mit mir: vorbeugend. Potentiell, fast wie mit einem Kind. Sie schaut vorwurfsvoll auf meinen Einkauf.

Er ist der Herr der Fischtheke und gab mir das Doppelte zum gleichen Preis. Einmal, als ich schon einmal einen Fischkopf für Suppe kaufen wollte, und er keinen da hatte, bot er mir seinen Kopf an. Als sei ich Salome und hätte den Kopf des Johannes gefordert. Hab` ich nicht. Die Fischköpfe heute waren riesig und sehr preiswert. Er sagte: Auf Wiedersehen. Ich dankte ihm und nahm seinen Wunsch mit nach draußen.

 

21.3.2020

 

english translation published by BERLIN SPLINTERS
Translated by Linda Frazee Baker

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