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Übersetzung

The Ghetto, and other Poems [3]

Die Frau mit den Juwelen

Die Frau mit Juwelen sitzt im Café,
Versprüht Licht wie eine Fontäne.
Diamanten glitzern an ihren wulstigen Fingern
Und ihren Armen, wie Schenkel, so dick,
Diamanten ergießen sich aus ihren Ohrläppchen über den kropfigen Hals.
Sie ist eine fettleibige Schönheit.
Ihre Augen sind voll trüben Scheins,
Wie kleine Pfützen Teeröls, vergossen von einem Matrosen beim hastigen Landgang …
Und ihre Lippen sind scharlachrot und voll – nur etwas knittrig – wie eine zerdrückte Blume …

Warum geht sie allein in diesen schummerigen Keller –
          Sie, die eine Sänfte haben sollte und Dienstmädchen zur Stütze von beiden Seiten?

Sie steigt die Stufen hoch, und die Kellner drehen sich nach ihr um, die Suppe schwappt über.
          Das schwarze Satin-Kleid ein wenig gerafft, zeigt die geschwollenen
                                                                                           Beine in hautfarbenen                    
Seidenstrümpfen …
          Der gewaltige Busen bebt …
          Da ist eine Aufregung in ihren Edelsteinen,
          Die dauernd zittern und zigtausend feurige Strahlen aussenden …
          Explosionsartig brechen Atemzüge aus ihr heraus …
          Jeder Schritt ist ein Abenteuer
          All das …
          Ersparte Kleopatra
          Der Schlangenbiss.

 

The Woman with Jewels

The woman with jewels sits in the café,
Spraying light like a fountain.
Diamonds glitter on her bulbous fingers
And on her arms, great as thighs,
Diamonds gush from her ear-lobes over the goitrous throat.
She is obesely beautiful.
Her eyes are full of bleared lights,
Like little pools of tar, spilled by a sailor in mad haste for shore. . .
And her mouth is scarlet and full—only a little crumpled—like a flower that has been pressed apart. . .

Why does she come alone to this obscure basement—
          She who should have a litter and hand-maidens to support her on either side?

She ascends the stairway, and the waiters turn to look at her, spilling the soup.
         The black satin dress is a little lifted, showing the dropsical legs in their silken fleshings. . .
         The mountainous breasts tremble. . .
         There is an agitation in her gems,
         That quiver incessantly, emitting trillions of fiery rays. . .
         She erupts explosive breaths. . .
         Every step is an adventure
         From this. . .
         The serpent’s tooth
         Saved Cleopatra.

 

Aus: Lola Ridge: The Ghetto, and Other Poems. Huebsch, 1918

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