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Emily Dickinson – Queen Recluse

Redaktion: 

Kaum ein Dutzend jener fast 1800 Gedichte, die ihr radikales Lebenswerk darstellen, ließ Emily Dickinson, die postum zu einer Ikone des Feminismus avancierte, zu Lebzeiten publizieren. Abgesehen von den Briefen, mit denen sie Kontakt zur Außenwelt hielt, schrieb sie praktisch nur für sich selbst, zurückgezogen in ihr Zimmer, das sie nur noch in Ausnahmefällen verließ. Diesen historischen Umstand macht sich Thiemo Strutzenberger in seiner Dramatisierung dieses Künstlerinnenlebens zunutze und lässt deren Schwester und Schwägerin immer wieder als Dickinson auftreten. Queen Recluse erzählt von Rollenzuschreibungen und Identitäts-Vexierspielen: In gleichsam spiralförmiger Bewegung nähert sich Strutzenberger mit einer Fülle an kulturhistorischen Materialien und literarischen Bezügen der Psyche einer mutig in die Domänen des Männlichen eindringenden Frau, deren Rückzug ins Private keineswegs als innere Emigration zu lesen ist.
Soeben  wurde „Queen Recluse“ am Schauspielhaus Wien uraufgeführt.

„Der Text macht aus dem Maskenspiel eine Meditation über Innen, Außen, Hausen, Haus, Haut. So beginnt das Stück denn auch mit einer Thematisierung der Auftritte, mit einer Vorstellung der Personen und Räume. Im Ganzen bemüht sich der Abend um ein Ausbuchstabieren eines Satzes von Emily Dickinson: "Weißt du nicht, dass die Sprache kein Wort so wild kennt wie nein?" Das Nein ist hier nicht wild und auch nicht provokant. Das Nein ist überlegt und zurückhaltend.“ schreibt Theresa Luise Gindlstrasser in ihrer Kritik zur Uraufführung.

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