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Erinnern an John Hoexter

Redaktion: 

Heute vor 75 Jahren nahm sich der Maler und Dichter John Hoexter, um der „dauernd wachsenden Entwürdigung“ zu entgehen, im Wald zwischen Potsdam und Caputh das Leben. Anlass für den Verein POESIE SCHMECKT GUT e.V. an ihn zu erinnern und daran zu denken, ein etwas dauerhafteres Erinnern zu ermöglichen.
 Hoexter, 1884 in Hannover geboren, lebte seit 1905 in und von den Berliner Kaffeehäusern wie dem Café des Westens („Café Größenwahn“) oder dem Romanischen Café, war dort gefragt als geistreicher und witziger Gesprächspartner und berüchtigt für sein außerordentliches „Pumpgenie“ (Franz Mehring). Als „laufende Wechsel“ bezeichnete er diejenigen, die ihm regelmäßig ihre 50 Pfennige zu entrichten hatten.
 Die Boheme mehrerer Jahrzehnte war mit ihm bekannt, aber tatsächlich gekannt hat ihn wohl kaum jemand. Nur Anekdoten über ihn sind Legion; und die meisten der zahlreichen Reflexionen von einstigen Weggefährte verharren fasziniert bei wenig schmeichelhaften Äußerlichkeiten: Sein Pferdegesicht mit der Geiernase, seine kleinen stechenden Augen, seine Fistelstimme, seine fahle Gesichtsfarbe im Kontrast zum schwarzen, fettigen Haar, seine spinnenartige Gestalt, sein vom Morphium hochaufgewölbter Rücken und vor allem seine Begabung als gefürchteter Schnorrer stehen im Mittelpunkt der Betrachtungen.
Dass Hoexter vor allem Maler war, ein sehr guter sogar, wenn er sich überwinden konnte zu arbeiten, und gelegentlich auch literarisch veröffentlichte, war dagegen kaum eine Erwähnung wert.
Nur Weniges von ihm hat überdauert. Die Zeit ging über ihn hinweg, und bis heute gehört Hoexter zu den nahezu Vergessenen.
 2012 widmete die Reihe VERSENSPORN ihm ein Heft (es bietet insgesamt 35 Texte. Es enthält neben verstreut veröffentlichten Gedichten auch Hoexters im Selbstverlag herausgegebene Sammlung Apropoésies Bohémiennes sowie einige Arbeiten aus einem neu entdeckten Textkonvolut, die bisher unveröffentlicht sind.).

Ende Oktober ließ der Jenaer Verein  POESIE SCHMECKT GUT e.V. vor dem neuen „Romanischen Cafe“ in Berlin mit Unterstützung der Initiative Stolpersteine Charlottenburg-Wilmersdorf einen Stolperstein für John Hoexter verlegen:
„Im Anschluss an diese Verlegung besuchten wir den Jüdischen Friedhof in Berlin-Weissensee und wollten dort die Grabstätte von John Hoexter besuchen. In der Friedhofsverwaltung gab man uns einen detaillierten Plan, der es uns erst ermöglichte, die Begräbnisstelle überhaupt zu lokalisieren. Der Anblick, der sich bot, schockierte zutiefst. Tief erschüttert mussten wir feststellen, dass jede Spur von einem Grab nicht nur getilgt oder nie existent war, sondern dass direkt auf dem Fleck, unter dem John Hoexter begraben liegt, ein Müllcontainer für Grababfälle stand. Wir haben den Container entfernt und eine kleine provisorische Grabstätte hergerichtet. Dieses nur notdürftige Provisorium möchten wir nun gerne durch eine würdige Grabstelle ersetzt wissen. 
Einen Grabstein errichten zu lassen, kostet jedoch sehr viel Geld, das unser kleiner Verein, der über keinerlei finanzielle Mittel verfügt, aus eigener Kraft unmöglich aufzubringen imstande ist. 
Wir nehmen deshalb ab sofort Spenden entgegen, die für die Errichtung eines Grabsteines verwendet werden sollen.
POESIE SCHMECKT GUT e.V.
IBAN: DE66830654080004659805
BIC: GENODEF1SLR
Betreff: Grabstein Hoexter
 
Auch falls jemand eine Idee hat, die helfen könnte, der nötigen Summe (lt. Kostenvoranschlag 3789 €) näherzukommen, so meldet Euch bitte! Jeder Vorschlag ist willkommen! Angefragte Unternehmen haben bislang (erwartungsgemäß) ausnahmslos ein Engagement abgelehnt.

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