Fixpoetry

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Kappeler/Zumthor compact

Redaktion: 

„In der Ukraine und in Polen arbeitet Juri Andruchowytsch seit etlichen Jahren mit Musikern zusammen, um seine Poesie konzertant auf die Bühnen zu bringen. Mit dabei ist auch seit Jahren der Perkussionist Peter Conradin Zumthor. Gemeinsam mit der Pianistin Vera Kappeler hat dieser nun einen Soundtrack zu den Gedichten Andruchowytsch kreiert.

Andruchowytsch wird auf der Bühne von seiner Frau Nina begleitet. Ukrainische Lieder, die wehmütig vom Lebensfluss, getrennten Geliebten, vom endlosen Trinken erzählen. Die Lyrik des Autors lehnt sich in gewisser Weise an diese Volkslieder an.

Ungekünstelt und direkt erzählt Andruchowytsch mit wenigen Worten kleine Geschichten, echte und eingebildete Dramen, Short-Storys aus Hotelzimmern, von klauenden Junkies, verzweifelten Trinkern, von Tagträumen auf Friedhöfen, von Vögeln im Kopf, von Synagogen, die zu Bierhallen mutiert sind, in denen männliche Adamsäpfel Abkühlung suchen. Es sind Ausschnitte aus einem Osteuropa, wo die Kaschemmen noch schmuddelig sind und das Schnapssaufen Stunden dauert.“ meldet heute die Südostschweiz, woselbst auch einige Stücke der Kombination Jazz + Lyrik nachzuhören sind.

"Kappeler und Zumthor formen ihre ureigene Klangwelt. Und es entsteht eine überraschend neue Musik dabei. Rummelplatz, Präriegeist, Herz. Unvergleichlich.
Nein, hier geht es nicht um Bodybuilding-Powerdrumming, keine schweissige Aura. Hier geht es um die Essenz. Zumthor lotet das melodische Potenzial und die Texturen des Schlagwerkes aus. Gleichzeitig gelingt es der Pianistin Kappeler, einen unverwechselbaren poetischen Kosmos zu erschaffen. Peter Rüedi sagt über Vera: «Sie ist nicht naiv und nicht kompliziert, sie ist schräg, und zwar buchstäblich - als kämpfte sie ständig um’s Gleichgewicht und würde die Kurve immer gerade noch so kriegen. Auf ihre verquere Weise ist sie gewiss die spannendste Pianistin zur Zeit. Spannend im Wortsinn. Zwischen dem Einfachen und dessen Verstörung knistert unablässig ein Hochspannungsfeld. Vera Kappeler hat durchaus einen Hang zum ungebrochenen Schönklang, zum Hymnischen. Nur hält sie es darin nicht lange aus.»

Statt sich in Wiederholung, Abwandlung und Übersteigerung längst "abgespielter" Musik zu verlieren, wählen Kappeler und Zumthor den naheliegendsten Ansatz: sie besinnen sich auf die Essenzen ihrer musikalischen Heimat. Dabei bedienen sie sich einer eigenständigen Sprache mit dem geheimnisvollen Wortschatz des Unter- und Unbewussten..." Jazz geht Baden

 

 

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