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Auf Horaz reitend

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Renée Sintenis (1888–1965) war eine der bedeutendsten Bildhauerinnen der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts. Ihre berühmteste Skulptur ist der Berlinale Bär, der seit über 60 Jahren als symbolträchtige Ikone auf den Internationalen Filmfestspielen verliehen wird. Anlässlich ihres 125. Geburtstags widmet das Georg Kolbe Museum der Berliner Bildhauerin ab Sonntag, den 24. November eine umfassende Einzelausstellung. Die Retrospektive vereint mehr als 100 Plastiken des vielfältigen Werks, dazu gehören in Bronze und Silber gegossene Tierfiguren, eindrucksvolle Darstellungen von Sportlern sowie expressive Porträts, darunter Bildnisse ihrer engsten Freunde wie zum Beispiel Joachim Ringelnatz, der auch eine Reihe von liebevoll augenzwinkernden Gedichten für die Bildhauerfreundin verfasst hat. Eine Auswahl grafischer Blätter gibt aufschlussreiche Einblicke in ihre treffsicheren Studien der tierischen Physiognomie. Darüber hinaus übermittelt eine Vielzahl von historischen Fotografien ein lebendiges Bild der emanzipierten Protagonistin der Berliner Kunstszene der Vorkriegszeit, die zum Inbegriff des viel beschworenen Typus einer ‘Neuen Frau’ wurde. Die Leihgaben der Ausstellung  stammen überwiegend aus der Berliner Sammlung Knauf, ergänzt durch Werke aus dem Bestand der Neuen Nationalgalerie, die den Nachlass der Künstlerin betreut sowie aus der Sammlung des Georg Kolbe Museums.

„Trends setzte Renée Sintenis aber nicht nur in ihrer Kunst. Lange bevor der Bubikopf Mode wurde, trug sie schon vor dem Ersten Weltkrieg Männerhaarschnitt und maßgeschneiderte Zweireiher. Als bestverdienende bildende Künstlerin der Weimarer Republik rollte sie im amerikanischen Sportwagen über den Kurfürstendamm, allmorgendlich ritt sie auf ihrem Hengst Horaz durch den Tiergarten. Mit ihrer androgynen Schönheit beeindruckte die 179 Zentimeter große Amazone Männer und Frauen gleichermaßen, Rilke, Benn, Joachim Ringelnatz, die Schauspielerin Asta Nielsen, ihren Galeristen Alfred Flechtheim… Ringelnatz, der Dichter des "Kuddeldaddeldu", der drallen Verse über Leichtmatrosen und andere vertrackte Existenzen, verdankte seine Karriere als Maler dem energischen Einsatz der großen Bohemienne.“ Mehr davon nachzulesen in einem Buch von Silke Kettelhake.

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