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Moderne Poesie in der Schweiz

Redaktion: 

„Gedichte mögen leichter sein als Luft, sie mögen geisternd durch die Köpfe ziehen oder sich für immer in den Hirnzellen einnisten. Das ändert aber nichts daran, dass sie auch eine materielle Realität haben: Sie sind Klang und sie sind Bild – Zeichen angeordnet auf dem Weissraum einer Seite, Zeichen als Teil einer Farb- und Formkomposition. Roger Perret hat im Auftrag des Migros-Kulturprozent in zwei Anthologien versucht, diese Dimensionen der Poesie zu fassen: Zunächst  … im Hörbuch «Wenn ich Schweiz sage … Schweizer Lyrik im Originalton von 1937 bis heute» (2010), einer Sammlung von Originalaufnahmen von Lyriklesungen. Jetzt, drei Jahre später, legt Perret ein Buch vor, in dem auch das Auge auf seine Kosten kommt. Es trägt den Titel «Moderne Poesie in der Schweiz». …

Bibliophilen schlägt das Herz höher, noch bevor sie das Buch überhaupt aufschlagen: Gross und schwer liegt es in der Hand – eigentlich braucht man zwei Hände dafür. Auch der edle Leineneinband, bepinselt mit Zeichen zwischen Alphabet und mathematischen Formeln, ist Programm. Auf den über 600 Seiten Poesie, die uns zwischen den Buchdeckeln erwartet, erscheint das Gedicht zunächst einmal als grafisches Ereignis. Das fängt zum Beispiel an mit Wörtern und Silben, die sich auf eine Weise über die Seite verteilen, die man sich aus allen vier Himmelsrichtungen erschliessen muss mit den Augen, in den Gedichten der bisher praktisch unbekannten Jurassierin Constance Schwartzlin-Berberat (1845-1911). Sie verbrachte einen grossen Teil ihres Lebens in der Psychiatrie und verfasste dort 24 «Cahiers» mit Texten in kalligrafischer Schrift. Oder aber am anderen Ende der Sammlung, wir sind bei der zeitgenössischen Schweizer Lyrik angekommen, lassen drei knappe Zeilen von Svenja Herrmann das Weiss einer ganzen Seite aufleuchten …“ schreibt Christine Lötscher.

Die Buchtaufe von «Moderne Poesie in der Schweiz» findet am 5. Dezember 2013 im Migros-Hochhaus am Zürcher Limmatplatz statt, 19.30 bis ca. 21.00 Uhr. Lesung: Isabelle Menke, Urs Allemann. Musik: Endo Anaconda & Schifer Schafer. Einführung: Roger Perret.

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