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Nachschreiben was geht

Redaktion: 

"Die ganze Gegend erzählen, die Zeit!" - Peter Kurzeck ist gestorben, eine Folge von Schlaganfällen setzte seinem Leben nach 70 Jahren ein Ende. In der Zeit erinnert Christoph Schröder an ihn:
„Kurzeck, der Zauberer: Er hat einen Tonfall in die deutschsprachige Literatur hineingebracht, den es so noch nicht gab. Scheinbar so einfach und auf so perfide Weise eingängig, dass man nach einigen Stunden Kurzeck-Lektüre beginnt, mit Kurzeck zu denken, zu sprechen, die Welt anzuschauen. Kann man sich nicht entziehen. Muss man hineintauchen und kommt nicht mehr heraus. Muss aufpassen, dass man nicht selbst. Versinkt tief im "Vorabend", Stunden, Tage, und geht anschließend durch die Welt und kann nur noch Kurzeck denken. Macht süchtig und glücklich. Die Welt im Kurzeck-Tonfall, kann man sich etwas Schöneres wünschen?

Genau das ist Peter Kurzecks Sprache: Schön. Es ist nicht nur ein Inventarisieren, dessen sich der Vorabend annimmt, und schon gar nicht ein nostalgisches Unternehmen. Es ist ein permanenter Transformationsprozess, der bei ihm stattfindet. Die Zauberformel, im Bösen wie im Guten, lautet: "Eben noch – und nun schon...": Eben noch da, jetzt schon verschwunden. Aber auch: Eben noch Winter, jetzt schon Frühling. Ein Ende und ein Neubeginn in beinahe jedem Satz. Es ist das Paradoxon des Kurzeck’schen Schreibens: Nur, weil alles permanent verschwindet und Peter Kurzeck gegen das Verschwinden anschreiben muss, ist es möglich, Literatur daraus zu machen.“ …

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