Fixpoetry

Wir reden über Literatur
Fix Zone

Null geschwätzig

Redaktion: 

Georges Perec

„Der Keller ist das dunkle Wesen des Hauses, daran vermag auch das elektrische Licht nichts zu ändern: Wer wollte dem Raumphilosophen Gaston Bachelard da schon widersprechen? Dunkel ist der Fundus an Keller-Bildern, den Chronik, Film und Literatur in das kollektive Gedächtnis eingebrannt haben. Es sind Geschichten von Verfolgten, Verbannten und von Toten. Mitunter auch von denkwürdigen Schätzen.

Diese Tiefen lotet auch Georges Perecs Roman «Der Condottiere» aus, ein Künstlerroman mit kriminalistischen Elementen. Das Werk entstand 1958/59, während Perecs Militärdienst in Pau. Der Verlag Gallimard zeigte Interesse, zahlte einen stolzen Vorschuss – und erteilte dem Autor doch eine Absage: «trop de maladresse et de bavardage», urteilte der Lektor. Dann war der Text verschollen. Perecs Biograf David Bellos spürte ihn nach Jahrzehnten auf, zugleich mit dem Typoskript «L'Attentat de Sarajevo». Erst 2012, anlässlich des 30. Todestages von Perec, erschien «Le Condottiere» bei Seuil. Der ungestüme, zwischen Ich-, Du- und Er-Form wechselnde Redefluss (und Bewusstseinsstrom) des Helden, eines Kunstfälschers, spiegelt dessen verzweifelte Identitätssuche wider. Geschwätzig ist anders.“ Ingeborg Waldinger macht heute in der NZZ aufmerksam auf einen Doppelpack:

Georges Perec: Der Condottiere. Roman. Aus dem Französischen von Jürgen Ritte. Hanser, München
Georges Perec: Träume von Räumen. Aus dem Französischen von Eugen Helmlé. Diaphanes, Zürich

Vom leeren Blatt Papier über das Bett, die Treppe, die Wand, das Mietshaus, die Straße über das Land und die Welt ins Universum: Träume von Räumen durchmisst spielerisch Raum und Räume, vom Allernächsten bis hin ins Fernste. Sogenannte praktische Übungen (»Durchqueren Sie Paris, aber nur durch Straßen, in deren Name ein C vorkommt!«) unterbrechen die Anordnung mit federleichter Konkretheit, und sehr persönliche Miniaturen sorgen dafür, dass das Spiel niemals im Unverbindlichen verbleibt.
Kein anderes Buch kann wohl als so typisch für Perecs Werk bezeichnet werden: ein Panorama literarischer Schnipsel, Sprachspiele, Kurzessays, Glossen und Experimentalanordnungen. Lange vergriffen, ist einer der programmatischsten und wirkmächtigsten Texte des großen Experimentators Georges Perec in einer neuen Ausgabe endlich wieder auf Deutsch zugänglich.

Mehr aus der Fix Zone



Dezember 2014



November 2014



Oktober 2014



September 2014



August 2014



Juli 2014



Juni 2014



Mai 2014



April 2014



März 2014



Februar 2014



Januar 2014