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Zur Lage der Fußnote

Redaktion: 

„Fußnotenlose Texte sind schöner, stimmt. Der Lesefluß wird nicht gehemmt. Aber oft wird das Nachschlagen einer Fußnote – sind sie hinten im Buch platziert – zu einer Qual, welches Kapitel, welche Seite, welche Nummer der Fußnote? “Mit der Einrichtung von Endnoten findet das eigentliche Drama der ungeliebten Fußnote statt.” (S. 7) Und dann wieder zurückblättern: In welchem Kapitel war ich eben noch? Stanitzek hat eine wunderbare Ästhetik, ja geradezu eine Phänomenologie der Fußnote mit historischen und rhetorischen Aspekten verfasst. Danach werden Sie sich dreimal Überlegen, ob Sie wirklich etwas befußnoten wollen. Fehlen die Fussnoten mutiert der Text zum Essay. Keine Fußnoten, keine Anmerkungen, keine Belege, keine Referenzen machen auch Ärger und geben leicht zu Vermutungen Anlass, der Autor habe irgendwo abgeschrieben.

Manchmal kann man ein kleines Problem, das nicht in den Text gehört, aber genannt werden muss, wenn es wirklich nicht rausgekürzt werden kann, elegant in die Fußnote stellen. Ich mag das, und Stanitzek erinnert daran, dass Wikipedianer solches Nachdenken mit “TF” als Theroriefindung brandmarken, denn in Wikipedia darf nur im Beleg erscheinen, was es wirklich gibt.“ Heiner Wittmann führt ein in die neue Januar-Ausgabe des Merkur.

„ Stanitzeks Artikel über die Fußnoten ist sehr empfehlenswert. Ein kluger Essay ohne Fußnoten. Carlos Spoerhase betrachtet die Gegenwartsliteratur als Gegenstand der Literaturwissenschaft und greift auch die Frage auf, inwieweit die Aussagen des Autors zur Interpretation seiner Werke berücksichtigt werden muss oder sollte; Ernst-Wilhelm Händler untersucht mit Georg Simmels Philosophie des Geldes von 1900 die klassische und Verhaltensökonomie; Wolfgang Kemp liest in seiner sechsten und letzten Ästhetikkolumne die Schrift an der Wand.In seiner Popkolumne erzählt Eckhard Schumacher Nachtlebensgeschichten. Robin Celikates hat sich mit dem französischen Soziologen Luc Boltanski befasst, der jüngst die Nähe von Soziologie und dem Privatdetektiv beobachtet hat. Christian Schärf hat Elias Canettis »Masse und Macht« als Großessay gelesen ..."

Am Freitag, dem 10. Januar, veranstaltet der Merkur in Kooperation mit dem Peter-Szondi-Institut der FU Berlin ein Podiumsgespräch “Zur Lage des Essays”. Es diskutieren Georg Stanitzek (Autor des aktuellen Merkur-Aufmachers > Zur Lage der Fußnote), Michael Rutschky, Kathrin Passig und Amanda DeMarco (Readux).

Ort: Topoi-Building der FU in Dahlem. Beginn 18 Uhr.
Moderation: Tobias Haberkorn (FU) und Ekkehard Knörer (Merkur).
Die Veranstaltung ist öffentlich und der Eintritt ist frei.

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