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"Bernie Kraus kennt das Heulen der Wölfe und den sanften Gesang der Berggorillas. Er weiß, wie Ameisen klingen, und schwärmt vom Beat der Umberfische. Mehr als 15.000 Arten hat Krause bereits auf der ganzen Welt aufgezeichnet. Er ist sich sicher: Ohne die Biophonie, den natürlichen Klang der Welt, wäre der Mensch nie auf die Idee gekommen, Musik zu machen. Seit nunmehr 40 Jahren hat er sich ganz dem Klang der Natur verschrieben. Gerade noch rechtzeitig: Mehr als 50 Prozent seines Archivs stammen aus Lebensräumen, die mittlerweile verstummt sind oder durch den Menschen so gestört werden, dass ihre natürliche Klanglandschaft nicht mehr erklingt." In der ZDF Mediathek ist der entsprechende ASPEKTE Beitrag zu sehen.

Aktuell eine interessante Rezension in der WELT: „Den alten Topos vom Lesen im "Buch der Natur" wendet Krauses Bio-Hermeneutik also ins Akustische. Statt lediglich in althergebrachter Manier exotische Einzelstimmen einzusammeln und isoliert zu katalogisieren, bewegt er sich ständig vom Detail zum Gesamten und zurück. So wird erst hörbar (und als Spektogramm sichtbar), dass sich oft Jahre nach einem Kahlschlag in einem Wald die alte Klangsignatur noch nicht erholt hat, selbst wenn die Gegend vor Ort eigentlich wieder hübsch natürlich aussieht. Fliegt ein Düsenjet über ein volltönendes Gebiet, wird das Spektogramm diffus. Es dauert dann Stunden, bis sich etwa synchron rufende Kröten wieder eingependelt haben in ihren schützenden Takt, der es Fressfeinden erschwert, einzelne Tiere zu identifizieren.“ Schreibt Cosima Lutz und weiter:

„Krauses Weg zum Naturforscher ist der eines abtrünnigen Geigen- und Gitarrenspielers und Avantgardisten der elektronischen Musik, und das gibt seiner Argumentationsweise natürlich eine ganz eigene Schwingung. Als junger Mann war er einer der Ersten, die den Moog-Synthesizer in den Pop einführten, George Harrison engagierte ihn zum Beispiel für sein Album "Electronic Sound" aus dem Jahre 1969. Krause arbeitete unter anderem mit den Doors zusammen, Hollywood buchte ihn etwa für die Musik von "Apokalypse Now" und "Rosemary's Baby", bis ein Plattenvertrag mit Öko-Thema ihn dazu brachte, erstmals in der Natur nach Sounds zu suchen. Dort blieb er, denn die Ruhe da draußen hatte den angenehmen Nebeneffekt, den Hyperaktiven zu beruhigen. Auf Hollywood hatte er keine Lust mehr, mit vierzig promovierte er in Bio-Akustik.“

Bernie Krause: Das große Orchester der Tiere. Vom Ursprung der Musik in der Natur. Kunstmann, München

Die Laute von Pistolenkrebsen, Seeanemonen und Insektenlarven, die Gesänge der Buckelwale, die, gäbe es keine Hindernisse, innerhalb von Stunden die Erde umkreisen könnten; knackende Gletscher, gurgelnde Flüsse und das Grollen heftiger Gewitter; die Melodien der Vogelchöre, das orgelartige Dröhnen von Wind, der über Schilf streicht; das in der Nacht aufgezeichnete Brüllen eines Jaguars im Amazonas-Regenwald, die Begegnung mit kreischenden Berggorillas in den afrikanischen Virunga-Bergen – die Klänge, die Krause aufgespürt hat, sind hier in Ausschnitten nachzuhören.

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