Fixpoetry

Wir reden über Literatur
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Speck Lit

Redaktion: 

„»Wir lebten alle vom Rundfunk«, hieß es einst über die Gruppe 47. »Wir leben alle von unseren Familien«, müsste man heute sagen. Oft schon ist zwar behauptet worden, das heutige Schriftsteller-Berufsbild sei aus dem Preis- und Stipendienwesen zu erklären. Dabei muss man es sich offensichtlich erst einmal leisten können, überhaupt erfolgreich prekärer Autor zu werden. Das gilt schon rein finanziell, mögliche Notfallüberweisungen der Bürgereltern erlauben eben ein ganz anderes Heranschreiben an glorreiche Stadtschreiberposten.

Das gilt aber vor allem auch habituell: In einem starren kulturellen Milieu, in dem Debütantenruhm besonders durch einige wenige Literaturredakteure und die mit ihnen identischen preisvergebenden Juroren erzeugt wird, bewährt es sich am allermeisten, so richtig dazuzugehören und ebenso geschmeidig professionell wie die gentlemen of the jury zu sein. Das ist der Heintje-Effekt der deutschen Literatur: Immer jüngere Autoren verhalten sich immer braver immer älter.“ Florian Kessler in der Printausgabe der ZEIT vom 16.01.2014.

Eine Diskussion könnte anheben (sehr viel davon ist einfach gut beobachtet) –  erste Sätze dazu finden sich in der lyrikzeitung.com.  da ich keinen facebook-account besitze (und auch sonst kaum vernetzt bin) und niemand die buttons bei fixpoetry nutzt, kenn ich andere mögliche Plätze nicht.

Aktuelle Parade in der WELT von Marc Reichwein:

„Wenn es nach Florian Kessler und seinem Beitrag in der aktuellen Ausgabe der "Zeit" geht, sollte aus den Pforten der deutschen Schreibschulen möglichst keine "Bundestagsdirektoren-Tochter wie Juli Zeh" mehr herauskommen. Auch kein "Richtersohn wie Thomas Pletzinger", kein "Managersohn wie Leif Randt" und bitte keine "Professorenkinder wie Nora Bossong".…

Auch wenn der Hinweis auf den Hildesheimer Absolventen Thomas Klupp, der "in einem hinreißenden klassizistischen Herrenhaus mit angeschlossenen Parkanlagen" lebe und inzwischen Dozent an seiner eigenen früheren Schreibschule an der Universität Hildesheim sei, anderes vermuten lässt: Es ist ausdrücklich kein Sozialneid, den Kessler geltend machen möchte. Wie auch? Schließlich ist er selbst "Sohn einer Gymnasiallehrerin und eines Neurologieprofessors" und hat als solcher die Hildesheimer Schreibschule absolviert. Was aber bezweckt er mit seinem Sozial-Outing deutscher Dichter dann?

Er möchte nachweisen, dass der Schriftstellernachwuchs, den die deutschen Schreibschulen hervorbringen, sich immer öfter aus einem einzigen Milieu rekrutiert. Für Kinder der bürgerlichen Mittelschicht wie ihn sei die Tür zum deutschen Literaturbetrieb "durchlässig wie Badeschaum". Andere Milieus seien kaum präsent oder würden wie Clemens Meyer exotisiert.“

Nach meiner Meinung geht es um sehr viel mehr als um soziale Herkünfte.(FM)

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