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Replay & Relations

Redaktion: 

Sabine Scho (Quelle: Literaturhaus Stuttgart)

Am Mittwoch 22.01.14 20.00 Uhr im Literaturhaus Stuttgart sind zu erleben: Relations – von Uljana Wolf & Sabine Scho in Lesung und Gespräch. Moderation: Michael Braun

»sist zappenduster im gedicht, welche sprache es wohl spricht?« Uljana Wolf
Meine schönste Lengevitch“ – der Titel von Uljana Wolfs neuem Gedichtband ist dem Deutsch-Amerikaner Kurt M. Stein entlehnt, der 1925 zwei Sprachen zur »schönsten Lengevitch« vermischte. Dem folgt auch Wolf, indem sie Sprachräume durchquert und neu erkundet: von englisch zu deutsch, vom Babygebrabbel zur Aphasie, von Fiktion zu aktueller (Einwanderungs)Politik. Uljana Wolfs neuer Band bewegt sich an den Schnittstellen von Macht, Märchen und Mehrsprachigkeit, schelmisch, elegant, funkelnd und abwegig. Das Ich und das Andere betrachtet auch die Lyrikerin Sabine Scho in ihren neuen Gedichten und Fotografien im Band „Tiere in Architektur“: Mögen die Kamele, wie sie wohnen? In zoologischen Gärten gibt der Mensch durch die Zurichtung des Tiers Auskunft über sich und sein Verhältnis zu ihm; Beziehungen, die von der Züchtung, Schau- und Haustierhaltung bis zur Jagd reichen. »Ein verblüffendes, kluges, sprachlich originelles Spiel, das alle Schubladen literarischer Genres souverän ignoriert und mehr Freude macht als Walt Disney und Bambi zusammen« (Denis Scheck).

Uljana Wolf (Quelle: Literaturhaus Stuttgart)

 

Deutsch und Englisch hat der Deutsch-Amerikaner Kurt M. Stein 1925 zur „schönsten Lengevitch“ (the most beautiful language) vermischt. (K.M.S.: Die Schönste Lengevitch. New York: Covici, Friede 1925):

Kurt M. Stein

Die schönste Lengevitch

Den andern Abend ging mei Frau  
Und ich a Walk zu nehme’.  
Of course, wir könnten a Machine  
Auffordern, but ich claime  
Wer forty Waist hat, wie mei Frau,  
Soll exerzeiseln, ennyhow.

Und wie wir so gemütlich geh’n  
Elang die Avenoo,  
Da bleibt a Couple vor uns stehn.  
Ich notiss gleich ihr’ Schuh’,  
Und sag zu meiner Frau: „Christine,  
Ich mach a Wett’ das sein zwei Grüne.

A Greenhorn kennt man bei sei Schuhs  
(Das muss ich euch erkläre).  
Ich wunder wie sie’s stende tun  
So tighte boots zu weareh.  
Es gibt mir jedesmal a pain-  
Doch dass iss somet’ing else again.

Der Mann stared mich a while lang an  
Als wollt er etwas trage,  
Denn blushed er wie a Kid bis an  
sei hartgeboilten Krage’,  
Und macht a Bow, und sagt zu mir:  
„Pardong, Sir, holds ze tramway here?“

„In English,“ sag ich, „oder Deutsch  
Da kann ich fluent rede,  
But die Sprach wo du talke tuhst  
Die musst du mir translehteh.“  
„Sie sprechen Deutsch?  
Na, lieber Mann,  
Wo hält denn hier die Straßenbahn?“

„Ah, wo die street-car stoppeh tut!“  
Sag ich, „das willst du wisse’!  
Well, schneidt hier crast die empty Lots,  
Der Weg is hart zu misseh’,  
Und dort wo du das Brick House siehst,  
Da turnst du and läufst zwei Block East.“

„Ich fürchte ich beläst’ge Sie,“  
Sagt er, „mit meinen Fragen;  
Doch würden sie so gütig sein  
Mir das auf Deutsch zu sagen?“  
„In Deutsch!“ schrei ich.  
„Na, denkst denn du  
Ich talk in Tschinese oder Soouh?“

Bieted der Nerf nicht einiges?  
By gosh, es iss zum lache’.  
In vierzehn Tag’ vergisst der fool  
Sei eig’ne Muttersprache.  
Wenn’s net for uns old Settlers wär  
Gäb’s bald kei Schönste Lengevitch mehr.

Beide Bücher auf Fixpoetry:
Meine schönste Lengevitch, besprochen von Elke Engelhardt
Tiere in Architektur, besprochen von Sabine Kappe

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