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Zeit der Collagen

Redaktion: 

Sarah Eisenlohr - zwei Collagen

Buchtip: The Age of Collage: Contemporary Collage in Modern Art, erschienen  im August 2013 im Verlag gestalten. Editors: Dennis Busch, Robert Klanten, Hendrik Hellige

Obwohl die Technik der Collage vor fast hundert Jahren entwickelt wurde, passt sie so perfekt in diese heutige Zeit wie niemals zuvor. Visuelles Material wird vom Künstler gesammelt, kombiniert und so abstrahiert, dass die persönliche Absicht klar hervortritt. Gleichsam spiegelt das Ausgangsmaterial den gesamten visuellen Speicher der Menschheit, denn die Collage zitiert ebenso gerne Arbeiten und Techniken der Kunst wie wissenschaftliche Abbildungen oder Versatzstücke aus Popkultur und Erotika.
Genau diese mögliche Bandbreite - und ihre Respektlosigkeit - macht die Collage für Künstler und Betrachter gleichermaßen interessant. So ist es kein Wunder, dass sich in den letzten Jahren eine rege Szene herausgebildet hat - dokumentiert in dem Buch Cutting Edges als erste Positionsbestimmung des Genres - welche die Möglichkeiten der zeitgenössischen Collage ständig weiterentwickelt.
Jenseits der Low-Brow-Szene, die sich erfrischend dem figurativen Surrealismus widmet, wagen mittlerweile auch etablierte Künstler den Schulterschluss mit diesem "respektlosen" Medium - und überbrücken so die historische Lücke zwischen den klassischen Collage-Vorreitern der 1920er Jahre und den heutigen Heroen des Genres. All Cut Up greift diese neue Lust zur destruktiven Konstruktion auf, dokumentiert herausragende Werke und Künstler der aktuellen Strömung - und wirft gleichzeitig einen wertvollen Blick hinter die Kulissen dieser interdisziplinären und medienübergreifenden Ansätze.
Während Illustration, Malerei und Fotografie das Genre grundsätzlich prägen, sind diese Arbeiten gleichsam mal abstrakt, manchmal kontrolliert konstruktivistisch oder auch surrealistisch bis dadaistisch angehaucht. Wie kaum eine andere Technik bietet die Collage den Künstlern so Raum für eine Vielzahl unterschiedlicher künstlerischer Positionen.
Und diese neue, kompositorische Freiheit löst Widersprüche auf und aus: Mit sicheren Schnitten, Pinselstrichen, Mouse-Klicks oder Klebestreifen erhält das Unmögliche fassbare Form - und stellt nebenbei unser Weltbild auf dem Kopf. In ihrer visuellen Konfrontation mit der Realität machen diese Künstler das Simultane im digitalen Zeitalter, das geografische, zeitliche und künstlerische Grenzen längst aufgelöst hat, so überzeichnet offensichtlich.
Porträts: Als Spezialistin für Surrealismus verleiht die Kuratorin und Kunsthistorikerin Dr. Silke Krohn u. a. Büchern wie Cutting Edges oder Everything Goes Right & Left If You Want It: The Art of Sergei Sviatchenko den richtigen Schliff und Schnitt."Kunst sollte über sich selbst lachen. Und zwar totlachen." Der Künstler, Collagist, Musiker und "James Dean der Illustratoren" Dennis Busch spielt gern mit der menschlichen Form und lässt daraus neue entstehen. Als Meister der Verdeckung und des zweiten (Augen-)Blicks verquickt er klassische Cut-out-Techniken mit viel subversivem Humor, der auch in seiner eigenen "Galerie zum hochgeklappten Fußnagel" ausreichend Auslauf findet.

John Stezaker—Resonating Nostalgic Lyricism
Linder Sterling—Dreams Come Glue

 

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