Fixpoetry

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Fix Zone

Doch keine Debatte

Redaktion: 

Radschläge satt statt Debatte

Christoph Schröder versuchts, aber kommt nicht sehr weit.

„Selbstironisch ist Kesslers Beitrag zur deutschen Gegenwartsliteratur darum, weil er den eigenen Werdegang als Professorensohn an der Hildesheimer Schreibschule (Nerd-Brille auf der Nase und die Zitate postmoderner Denker im Kopf) zum Bestandteil der Erzählung macht. Durchtrieben, ja geradezu perfide wird Kesslers Beitrag dadurch, dass er im Grunde genommen keine explizite These hat, sondern die Produktionsbedingungen von Literatur, so wie sie von Kessler wahrgenommen werden, schlicht und einfach beschreibt. Sogar die Frage, ob all das satirisch überhöht ist oder nicht, lässt der Text offen. Die deutsche Gegenwartsliteratur, so Kessler, werde dominiert von einem sich selbst reproduzierenden Großbürgertum, von Arztsöhnen und Direktorentöchtern. Die Erkenntnis, die daraus folgt, überlässt er – da ist er ganz Populist (man kann sich dann immer herausreden, das ja so nicht gesagt zu haben) – denjenigen, die ihm antworten oder gar zustimmen, und prompt folgen die Salven, denen Kesslers Text rhetorisch glänzend Munition geliefert hat: die Klagen über die Selbstbespiegelungs- und Innerlichkeitsprosa, in denen die deutsche Literatur gefangen sei, als hätte es sich nicht schon seit Langem mehr oder weniger ausgehandket und fertiggestrausst.“

Eine Debatte zur Gegenwartsliteratur betitelt es die ZEIT.

Das Schrödersche ist zu dünn und zu eingeschnappt in den eigenen Schlössern, als daß man das „Debatte“ nennen könnte. Kesslers Kritik könnte man durchaus viel weiter reichend denken, wenn es Denker gäbe, die das könnten. Schröders Einwände lesen sich, als hätte er ein Problem Aspekte, die es durchaus gibt, als wahr zu erkennen, bloß weil es nachweisbar Aspekte gibt, die dem nicht entsprechen. Man könnte sich die Wahrheit teilen und ernsthaft darüber diskutieren, warum sowohl das eine als auch das andere stimmt. Und zwar der Kesslersche Befund nicht nur auf Zeh-Ebene und der Schrödersche nicht nur auf Höhe von Röggla.Aber das Debattieren hat man vor lauter Radschlagen der intellektuellen Federpracht nicht mehr drauf.

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