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Baal auf der Berlinale

Redaktion: 

Baal - Filmstill

Volker Schlöndorff holt Bertolt Brechts spätexpressionistisches Werk in die Gegenwart von 1969. Der Lyriker und Anarchist Baal haust in einer Dachkammer und liest Kutschern seine Gedichte vor. Die bürgerliche Gesellschaft reißt sich um ihn und spuckt ihn wieder aus. Baal streunt umher, durch Wälder und auf Autobahnen, gierig nach Schnaps und Zigaretten, Frauen und Männern: „Man muss das Tier herauslassen, ans Sonnenlicht mit dem Tier.“ Er schwängert eine junge Schauspielerin und empfindet sie bald als Mühlstein an seinem Hals. Er ersticht einen Freund und stirbt allein. „Unnütz bist du, räudig, toll, du Tier, kriechst in des Baumes unterstes Geäst.“
Der Film macht jugendliches Ungestüm und Hass auf erdrückende Umstände zum Thema, reflektiert Geniekult und Sexualmoral. Rainer Werner Fassbinder spielt Baal und zugleich sich selbst. Um ihn herum zahlreiche Akteure, die in seinen späteren Filmen immer wieder zu sehen sein werden. Brechts Witwe Helene Weigel untersagte nach der Ausstrahlung des Films im westdeutschen Fernsehen jede weitere Aufführung. Ihre Begründung: Die gesellschaftlichen Umstände, aus denen Baals Rebellentum resultiere, seien ungenügend herausgearbeitet worden.

Heute und morgen noch auf der Berlinale zu sehen.

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