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Bunkerkupplung

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Das Phänomen Bunker und sein Erfinder, der Mensch

Von allen Gebäudetypen der Moderne fasziniert nur noch der Wolkenkratzer die Menschen in ähnlicher Weise wie der Bunker. Bunker sind Bauwerke von mythischer Qualität und gleichzeitig ein Schlüssel zum Verständnis der Moderne. Über die reine Architekturgeschichte hinausgehend widmet sich Christian Welzbacher in diesem ungewöhnlichen, Grenzen sprengenden Essay dem Phänomen Bunker und seinem Erfinder, dem Menschen. Er spannt den Bogen von der schutzbietenden Höhle über Le Corbusiers Betonkirche Ronchamp bis hin zu den heute entstehenden neuen Formen der Cyberbunker, Ausdruck von Angst und Misstrauen, das sich in die virtuelle Welt verlagert hat. Was verrät uns der Bunker über das Wesen des Menschen?

»Der Bunker ist anwesender und abwesender Mythos zugleich geworden: anwesend als für eine transparente und offene zivile Architektur abstoßendes Objekt, abwesend in dem Maße, in dem sich die Festung von heute woanders befindet, unter unseren Füßen, von nun an unsichtbar.« 
-Paul Virilio-

Christian Welzbacher: Bunker. Expeditionen zum Nullpunkt der Moderne. Verlag Matthes & Seitz

„In den Spuren von Paul Virilios "Bunker-Archäologie" entwickelt der 1970 geborene Kunsthistoriker ungewohnte Perspektiven auf seinen kompakten Gegenstand. Schon in der Form ist der Bunker als Tarngebäude oft ein Chamäleon, das sich der Umgebung anpasst und unter Umständen wie ein gewöhnliches Wohnhaus aussieht. Vor allem führt Welzbacher Argumente gegen die Funktion und Zweckmäßigkeit von Bunkeranlagen an. …

Die paradoxe Logik des Bunkerbaus bringt Welzbacher auf eine Formel: Wer im Bunker sitzt, wird mit Bomben schmeißen. "Das Bedürfnis des Menschen, sich zu panzern, steigert sich, je aggressiver sein Angriffsimpuls nach außen gerichtet ist." Hüte dich also vor dem Land, in dem man Bunker baut. Das am meisten verbunkerte Land ist die Schweiz, wo es 300.000 oft komfortable Schutzanlagen geben soll....

Wer nun einwendet, dass die Schweiz seit langem keine Kriege führe, dem entgegnet Welzbacher, dass sie an deren Finanzierung regelmäßig beteiligt sei, mit dem Geld, das auf Schweizer Konten eingebunkert ist. Die ursprüngliche Bedeutung des Wortes Bunker als Lagerraum für Kohle bekommt hier eine zeitgemäße Auffrischung.“ Wolfgang Schneider in der WELT.

 

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