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Verstehen, nicht urteilen

Redaktion: 

Georges Simenon

Am Sonntag 23.02.2014 um 21:55 auf arte: Das Jahrhundert des Georges Simenon   
Der Schriftsteller Georges Simenon war der Mann der 400 Bücher und 10.000 Frauen. Sein Leben und Schaffen wurde in zahlreichen Dokumentarfilmen und Porträts beleuchtet. Doch nie ging es darin um seine Weltsicht und sein Lebensgefühl. Was dachte er wirklich über Literatur und Politik? Wie stand er zu den Ereignissen seiner Zeit und wie erlebte er den Alltag der einfachen Leute, zu denen er sich zählte? Der Filmemacher Pierre Assouline lässt Simenon selbst Antworten auf diese Fragen geben.

Bisherige Dokumentationen über den belgischen Schriftsteller Georges Simenon betrachteten die Liebe zu seinem Vater, seine Freundschaft mit Jean Renoir, seine Anerkennung für Colette oder sein Misstrauen gegenüber André Gide und Gaston Gallimard sowie seinen Argwohn gegenüber dem Kino, das in seinen Augen nur auf Profit ausgerichtet war.

Obwohl sein Motto "verstehen, nicht urteilen" lautete, macht er keinen Hehl aus seinem Abscheu gegenüber den Schriftstellern der Avantgarde, Romanschriftstellerinnen, die in Mode waren wie zum Beispiel Françoise Sagan, General de Gaulle und Spießbürgern, die Prostituierte verachteten. In der Dokumentation von Pierre Assouline thematisiert Simenon sein Verhältnis zu den Frauen und seine Ansichten über die Justiz, die Todesstrafe und die Politik.

Schon Simenons Geburt stand im Zeichen der Ausschweifung, die sich wie ein roter Faden durch sein Leben zog. Immer befand er sich außerhalb jeglicher Norm. Er kannte kein Maß, weder bei der Arbeit, noch beim Geld, beim Alkohol oder beim Sex. Jeden Tag ging er zu einer Prostituierten.

Mit seinem Tod trat er wieder als Schriftsteller in den Vordergrund und damit als jener Romancier, der auf die Aufforderung, seinen Stil zu definieren, nach reiflicher Überlegung schlicht antwortete: "Es regnet". Dieser knappe Satz steht für sein Ritual, jedes Manuskript, sobald er "Ende" darunter geschrieben hatte, "auszuschütteln", damit alle überflüssigen Adverbien und Adjektive herausfallen.

Sein Lebenswerk, seine 200 "harten Romane" einschließlich der Kommissar-Maigret-Romane, könnte man unter dem Titel "Die menschliche Komödie" zusammenfassen. Und um jemandem eines seiner Bücher zu empfehlen, muss man die Person gut kennen, denn bei Simenon findet man alles. In seinen tragischen Werken scheint alles schwarz zu sein, es bleibt kaum Platz für Reue. Simenons genialer Schachzug besteht darin, den Leser anzusprechen, ohne ihn betroffen zu machen. Er redet nie um den heißen Brei herum. Ohne Umschweife thematisiert er Liebe, Hass, Neid, Eifersucht und Niedertracht. Dabei ist der Aufbau immer der gleiche: Alle Romane sind wie griechische Tragödien strukturiert.

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