Fixpoetry

Wir reden über Literatur
Fix Zone

Ostragehege # 73

Redaktion: 

Gerard can Smirren - serie 3 n°1 (2007)

Editorial:

Im neuen OSTRAGEHEGE steht ein Künstler im Mittelpunkt – der Maler und Grafiker Hubertus Giebe. Anlässlich sei¬nes 60. Geburtstages gibt er im Interview Auskunft über sein Werk und seine Sicht auf die Kunst der Gegenwart. „Das Gespräch über Malerei, heute, wenn es noch stattfindet, ist trivialisiert“, sagt Giebe, „die Kunstkritik verdient oft kaum den Namen, bis auf wenige Ausnahmen. … Also werde ich weiter auf mich selbst zurückgeworfen, auf das Reflektieren der eigenen Traditionen, des eigenen Weges. … Meine Bilder sind lesbar, denke ich, nicht vordergründig, wie ich hoffe. Ich male Figuren in Konstellationen, die Bedeutungen kommen mit den Figuren in die Bilder und damit die Assoziationen. Man kann sie also lesen. Ohne diese Lesbarkeit hätte ich keine Lust zu malen.“ Inmitten des Interviews kann Giebes großformatiges Diogenes-Bild gelesen werden – eine Auseinandersetzung mit Jacob Jordaens‘ bekanntem Gemälde aus der Dresdner Galerie Alte Meister. OSTRAGEHEGE gratuliert nachträglich zum Sechzigsten.

Ein weiterer Künstler prägt das Heft: Gerard van Smirrens Carbonographien „unterbrechen (die) eingeschliffene Normalität des Bildes“, schreibt Jochen Venus, „weder repräsentieren sie Ansichten der sichtbaren Welt, noch führen sie die visuelle Schöpferkraft des menschlichen Geistes vor Augen. Stattdessen erinnern sie uns mit einer subtilen und elementaren Wucht daran, dass alles Bildliche auf einer Naturkraft beruht, die ihre bildtechnische Indienstnahme zwar erlaubt; die sich aber ebenso wenig bändigen lässt wie andere elementare Kräfte der Natur.“

Gratulieren möchte die Redaktion von OSTRAGEHEGE Günter Kunert zu dessen 85. Geburtstag. Von Freunden die „Kassandra von Kaisborstel“ genannt, zeigt Kunert auch in seinen neuesten Gedichten gesunde Skepsis. Im Gedicht „Olympiadeure“ lesen wir: „Zuviele Dichter bedichten / zuviele eigene Leiden. Dabei / hat doch jedermann / schon eine persönliche Seele / zum alsbal¬digen Verbrauch. / … / In der Folterkammer der Sprache / gestehen die Priester des Wortes / ihre verlässlichen Sünden, / Massenware vom Jahrmarkt / der Zivilisation.“

Im Heft finden sich weitere poetische Handschriften – die Gedichte des Franzosen Pierre Jean Jouve, die Gedichte von Michael Hillen, Raja Lubinetzki, Max Sessner sowie Ron Winkler, der in der „Lagebesprechung” von Peter Geist im Essay und Nancy Allison im Interview vorgestellt wird. Insgesamt können im neuen OSTRAGEHEGE 35 verschiedene poetische Handschriften erkundet werden.

Michael Braun gibt in seinem Essay einen Einblick in das Werk und die Freundschaft zweier Dichter – Rainer Brambach und Günter Eich. Ottó Fenyvesi schreitet die Spuren von Martin Heideggers „Der Feldweg“ weiter aus. Jürgen Buchmanns „Grabbe. Eine Hermannsschlacht“ ist ein grotesker Ausflug in ein Drama des 19. Jahrhunderts. Igor Schestkow, Isabel Fargo Cole und Marcus Roloff ziehen mit ihrer Prosa den Zeitgeist ins Heft.

Mehr aus der Fix Zone



Dezember 2014



November 2014



Oktober 2014



September 2014



August 2014



Juli 2014



Juni 2014



Mai 2014



April 2014



März 2014



Februar 2014



Januar 2014