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Ars somni

Redaktion: 

Jean Luc Nancy (© Bochumer Kolloqium Medienwissenschaft)

»Nichts ist bezeichnender als der Umstand, dass Nancy ausgerechnet auf den Schlaf verfällt, also auf jenen Zustand, in dem der Mensch aus dem Projekt Mensch ausgestiegen ist ... Poetische Satzgeflechte, in denen der Schlaf – statt in sich Träume zu generieren – selbst zum Gegenstand einer philosophischen Träumerei geworden ist.«
Christof Forderer, taz

„Jean-Luc Nancys Büchlein „Vom Schlaf“ eröffnet im Gefolge von Giles Deleuze, Jacques Derrida, Emmanuel Lévinas und anderen europäischen Philosophen einen sehr dichten Denkraum, in dem Philosophie, Mythologie und Literatur zusammenschmelzen. Bei dem hier vorliegenden Text handelt es sich um die von Centre National du Livre ausgezeichnete deutsche Übersetzung des französischen Originals „Tomber de sommeil“ (Éditions Galilée 2007). (Eine frühere französische Fassung ist 2006 unter dem Titel „Ars somni“ im Katalog der Ausstellung „Dormir, rêver… et autres nuits“ erschienen. Dort kommentierte Nancy ein Fragment über den Schlaf aus Georg Wilhelm Friedrich Hegels „Enzyklopädie der philosophischen Wissenschaften“ und fragte nach der Möglichkeit einer Vernunft des Schlafs, die eben in der Form und Modalität des Schlafs am Werke sei.)

Die circa 60 Seiten des Bändchens „Vom Schlaf“ bieten eine etwas sprunghafte jedoch kostbare Sammlung von Überlegungen darüber, was mit dem Ich und mit dem Selbst im Schlaf geschieht. Biologische oder psychologische Aspekte adressiert Nancys Büchlein nur en passant. Das durchaus komplexe Phänomen des Schlafs erfordert hingegen in Nancys Essay eine eigene, stark lyrisch-reflexive Sprache, in der Philosopheme wie „Ich“, „Selbst“, „Schließung“/“Öffnung“, „Innen/Außen“, „Grenze/Schwelle“, „Singularität/Pluralität“, „(Un-)Ordnung“, „Körper-Geist-Dualität“ und so weiter eine weitaus wichtigere Rolle spielen als quantifizierbares und berechenbares Datenmaterial. Die elementaren Erkenntnisprozesse des sorgsamen Wägens und Deutens stehen ja – nicht nur für den Philosophen – dem Zählen und Messen keineswegs zurück. Ganze Wort- und Bedeutungsfelder tun sich in Nancys Essay auf, das Büchlein hat zugleich etwas Kinematografisches, denn es arbeitet mit einem Aneinanderreihen von Bildern und Tönen.“

Alina Timofte bespricht das lesenswerte Buch von Jean Luc Nancy „Vom Schlaf“, übersetzt aus dem Französischen von Esther von der Osten (Diaphanes Verlag, Zürich 2012) aktuell auf literaturkritik.de

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