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Forensis

Redaktion: 

A photograph showing the bomb’s path through the Salha family home is here overlaid on the model Forensic Architecture reconstructed with the help of Noor and Fayez Salha. The model was used as a tool to help the survivors recount the night of the strike. © Forensic Architecture/Chris Cobb-Smith 2013

Eine neue Ausstellung im HKW Haus der Kulturen der Welt:

Konnte das 20. Jahrhundert als "Zeitalter des Zeugen" betrachtet werden, hat der heutige "forensic turn" nichts weniger als eine neue kulturelle Vorstellungswelt geschaffen. Die Ausstellung legt die Bedeutung von Forensis – lateinisch für "Gegenstände, die die Öffentlichkeit betreffen" – frei, um die Rolle der materiellen Forensik bei der Formulierung neuer Vorstellungen von öffentlicher Wahrheit zu umreißen. Es geht um "Erzeugen" und "Bezeugen" von Tatbeständen im rechtlichen und politischen Feld durch Präsentation und erzählende Darlegung mithilfe materieller und räumlicher Objekte. Hier verschränken sich ästhetische Praktiken, neue Technologien und architektonische Untersuchungsmethoden in der Bestimmung rechtlicher Implikationen von politischen Auseinandersetzungen, gewalttätigen Konflikten und Klimawandel.

Für die Ausstellung untersuchen Forschungsprojekte von Künstlern, Filmemachern und Architekten Menschenrechtsverletzungen, Umweltverbrechen und menschengemachte wie "natürliche" Katastrophen und reflektieren so neue politische Handlungsoptionen, die durch technologische Entwicklungen entstehen. Damit werden sowohl diese politischen Projekte forensisch befragt als auch die zeitgenössische Forensik selbst überdacht. Die Fallbeispiele und Untersuchungen reichen von forensischen Rekonstruktionen von Drohnenangriffen im Schattenkrieg in Pakistan und von unterlassener Hilfeleistung für Flüchtlingsboote im Mittelmeer über Untersuchungen zu Ressourcenabbau und Umweltzerstörung am Beispiel von Kupferminen in Chile und Indonesien bis zu historischen Vorgängen wie der Identifizierung von Josef Mengeles Gebeinen in Brasilien im Jahr 1985.Die von Anselm Franke und Eyal Weizman kuratierte Themenausstellung untersucht im Rahmen des zweijährigen Anthropozän-Projektes am HKW die Relation des Menschen zu Materialität und Objekten sowie die Rolle und Instrumentalisierung bei der Formung von Evidenzen.

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