Fixpoetry

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Manifeste 14

Redaktion: 

© Faust-Kultur

Faust-Kultur überrascht als Ort für ein interessantes Kunstprojekt:

Manifeste 14 ist eine zunächst lose Ansammlung von Manifesten der Künstler Jos Diegel, Tarik Goetzke, Norman Hildebrandt, Gian Spina und Jonas Englert zur Relevanz von Kunst. Im nächsten Schritt soll eine Symbiose entstehen, die die Rechtfertigung beziehungsweise Infragestellung der Existenzberechtigung von Kunst zum Inhalt hat. Die Manifeste materialisieren sich in Text, bewegtem Bild und Ton.

„Ist der Autor ein Embryo, ein fünfzehn Wochen altes, so sind seine Augen bereits in Gänze ausgebildet. In der siebzehnten Woche hört er die Gedärme der Mutter arbeiten. Zwei Wochen später nimmt er ihr akustisches Umfeld wahr. Mit siebenundzwanzig Wochen sieht er die Sonne. Er sieht rot. Vier Monate später, als narrationsaffine Tabula rasa entbunden, öffnet sich der Vorhang. Das Bach’sche Präludium zur Förderung seiner postnatalen Intelligenz setzt aus. Die Vorstellung beginnt.
Nach zweimonatigem Theater können seine Augen fokussieren. Die Narration ist jetzt synchron. Farben primär primär! Gegenständlich erzählendes Vorhalten beschleunigt Farbdifferenzierung. Und dann schaut er auf die Bühne, aus sich heraus, in den Erzählraum. Tief. Er interagiert und greift nach dem Erzähler aus. Mikronarration setzt ein. Sieht er nur einen Teil eines Objektes, so kann er im nächsten Monat dessen Gesamtheit kognitiv erschließen. Er expandiert in kleine, dinglich narrative Versteckspiele auf mittlerweile pastellfarbenem Hintergrund.
Mit acht Monaten ist der Autor erwachsen. Machten seine Sehkräfte zuvor nur maximal vierzig Prozent aus, so hat seine Weitsicht eben den narrativen Klimax erreicht.

Und jetzt, jetzt sitzt er da – seit einem dreiviertel Jahr. In der Zuschauerwiege der Menschheit. Er zieht sich seine smartoperativen Schlittschuhe an und flaniert. Er flaniert, er streicht über den starren See, in den es hineinzuhandeln gilt. Da kreist er, auf dem Touchscreen, und ist kurz vorm Durchbruch, dem Einbruch. Je verdichtender er sich kreisend seiner Erzählermitte nähert, seiner Autorenidentität, desto eher läuft er Gefahr, unter die Benutzeroberfläche seiner eigenen Historie gezogen zu werden. Der Antithese, seiner emotionalen Sollbruchstelle.
Doch dann – dann beginnt er zu erzählen: …“
Jonas Englert und Norman Hildebrandt auf faust-kultur.

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