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F.I.N.D.

Redaktion: 

Szen aus Bolaños 2666, Regie: Àlex Rigola (Quelle: Schaubühne)

Beim 14. Festival Internationale Neue Dramatik präsentiert die Schaubühne elf Tage lang neue Inszenierungen und Texte von Theaterautoren aus aller Welt. Das diesjährige F.I.N.D. beschäftigt sich mit der Schnittstelle von Privatem, Kunst und politischer Verantwortung. Die eingeladenen Künstler stellen sich auf ganz unterschiedliche Art und Weise die Frage, inwiefern ihre Kunst eine politische Verantwortung hat und sie etwas mit ihrer Arbeit bewirken können. Ein Schwerpunkt liegt auf den spanischsprachigen Ländern, wo die derzeitigen gesellschaftlichen Bewegungen und Konflikte das Zusammentreffen von Politischem und Privatem besonders sichtbar machen – in der Wirklichkeit, wie auf der Bühne.

Den Auftakt des Festivals bildet die deutschsprachige Erstaufführung der Dramatisierung von Roberto Bolaños Kultroman »2666«. In seinem 2003 veröffentlichten Roman entwirft der Autor ein weltumspannendes Panorama des Schreckens zwischen den Metropolen Europas, dem Deutschland der NS-Zeit, den USA und Lateinamerika. Im Zentrum steht die mexikanische Stadt Santa Teresa an der Grenze zu den Vereinigten Staaten von Amerika: die Stadt mit der höchsten Mordquote der Welt und Auge des Sturms in einer sich frenetisch globalisierenden Welt. Probentrailer

Der spanische Autor und Regisseur Rodrigo García schickt in »Daisy« zwei Protagonisten in den Kampf mit der Banalität des Alltags, dem Leerlauf westlicher Hochzivilisation und der Lachhaftigkeit des Daseins. In »Todo el cielo sobre la tierra (El síndrome de Wendy)« erforscht die spanische Autorin und Performerin Angélica Liddell zusammen mit ausgestopften Alligatoren und chinesischen Straßenwalzertänzern die Angst vor dem Verlassenwerden und den Schmerz danach. Kirill Serebrennikov verlegt in seiner Bühnenversion von Lars von Triers Film »Idioten« die Handlung ins heutige Moskau und zeigt eine Gruppe von Außenseitern, die gegen die Zwänge der russischen Gesellschaft protestiert.

Die libanesischen Theatermacher und bildenden Künstler Lina Saneh und Rabih Mroué werden zum ersten Mal eine Produktion an der Schaubühne zeigen: »33 RPM and a few Seconds« ist eine Auseinandersetzung mit den Auswirkungen des Arabischen Frühlings im Libanon. Auch das chilenische Teatro La Re-sentida und das mexikanische Kollektiv Lagartijas tiradas al sol sind zu Gast und setzen sich auf sehr unterschiedliche Weise mit den Formen und Möglichkeiten des politischen Theaters auseinander. Mina Salehpour, FAUST-Preisträgerin 2013 für die beste Regie im Kinder- und Jugendtheater, inszeniert »Dieses Grab ist mir zu klein« der serbischen Autorin Biljana Srbljanović; ein Stück über Jugendliche, die das Attentat auf Franz Ferdinand verüben und so den Ersten Weltkrieg verursachen.

Der Schweizer Theatermacher Milo Rau wird Auszüge aus seiner neuen Arbeit »The Civil Wars« vorstellen und in einem Werkstattgespräch über dokumentarisches und politisches Theater sprechen. Außerdem gedenken wir mit einem  Dokumentarfilm, einem Gespräch und einem Hip Hop-Konzert des vor drei Jahren ermordeten palästinensischen Theatermachers Juliano Mer-Khamis, der 2008 bei F.I.N.D. zu Gast war.

Im Studio der Schaubühne zeigt der schwedische Theatermacher Thomas Bo Nilsson (ehemals Teil der Performancegruppe SIGNA) eine 240 Stunden lang begehbare, großangelegte Installation, in der die Zuschauer Räume und Figuren erleben, die von Luka Magnotta, dem kanadischen Pornodarsteller und mutmaßlichen Kannibalen und Mörder, inspiriert sind.

Das Programm im Überblick.

 

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