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Unter der Erde

Redaktion: 

Roni Horn: Ant Farm, 1974 – 75. Installationsansicht 'Roni Horn aka Roni Horn', Tate Modern, London, 2009; Foto: Stefan Altenburger Photography Zurich; © Kunstsammlung NRW

Mit der neuen Ausstellung ab dem 5. April im K21 „Unter der Erde. Von Kafka bis Kippenberger“  widmet die Kunstsammlung Nordrhein-Westfalen während der Quadriennale Düsseldorf 2014 dem Thema des Unterirdischen eine umfassende Ausstellung. Das Motiv der Verlagerung des Lebensraumes unter die Erdoberfläche ist mit Utopien sowie Anti-Utopien des 20. Jahrhunderts fest verbunden.

Bereits Ende des 19. Jahrhunderts entwickelt sich das unterirdische Lebensreich zu einem beliebten literarischen Thema. Sowohl Höllenvisionen als auch Schutz gewährende Höhlen sind mit dem Bild der Verlagerung des Lebensraumes unter die Erde assoziiert. Freuds Recherche über die menschliche Psychologie und insbesondere die Verknüpfung des Unbewussten mit dem Ort des Kellers in der Traumdeutung von C. G. Jung Anfang des 20. Jahrhunderts beeinflussen die Auslegung des Unterirdischen in der populären und künstlerischen Auffassung. Ebenso ausschlaggebend sind die traumatisierenden Erfahrungen der Weltkriege und die Nutzung der unterirdischen Räume als Bunker.

Die in der Literatur entwickelten Motive, insbesondere die Wechselwirkung zwischen Schutzzone und Gefahrsituation, dienen als Anknüpfungspunkt und Inspirationsquelle für moderne und zeitgenössische Künstler. So handeln die Abschnitte der Ausstellung von den Eingängen und Übergängen, dem Rückzug
und Aufbruch ins Unterirdische, dem Bezug des Untergrunds zum Unbewussten und Unheimlichen, der Rolle des Bunkers und der unterirdischen Verteidigungssysteme sowie der Gegenüberstellung des fiktiven und konkreten Raums. Die Werke der Ausstellung – Zeichnungen, Fotografien, Videos, Skulpturen, Objekte und begehbare Installationen – machen das Thema erfahrbar.

Aus den vielen literarischen Verarbeitungen dieser Themen wird die unvollendete Erzählung "Der Bau" (1923-24) von Franz Kafka in der Ausstellung in besonderer Weise hervorgehoben. Aus der Perspektive eines Tieres beschreibt Kafka, wie es mit quälerischem Perfektionismus ein unterirdisches Gängesystem, gleich einem Hochsicherheitstrakt, herstellt. Der Bau ist Rückzugsort und Bedrohung zugleich. Erstmals als eigenständiger Band in Kooperation mit dem S. FISCHER Verlag publiziert und mit Zeichnungen von Roni Horn versehen, wird die Erzählung den Besucher durch die Ausstellung begleiten.

Beteiligte Künstler:
Christoph Büchel, Thomas Demand, Max Ernst, Peter Fischli David Weiss, Roni Horn, Mike Kelley, Martin Kippenberger, Kris Martin, Henry Moore, Matt Mullican, Bruce Nauman, Gregor Schneider, Thomas Schütte und Jeff Wall

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