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Suprematismus

Redaktion: 

Kasimir Malewitsch, Suprematistisches Gemälde (mit schwarzem Trapez und rotem Viereck), 1915, Öl auf Leinwand © Stedelijk Museum Amsterdam

„Es war eben die Zeit, als es noch keine digitalen Beförderungs- und Beschleunigungstechniken für die Fantasien gab. Da schien die Farbe "Weiß" der kürzeste Weg zur Unendlichkeit. Versprechen und Zeichen in einem. Chiffre für gebündelte Energie. Bei Kandinsky wabert sie neblig, und man könnte an die spiritistischen Sitzungen und das schaumige Ektoplasma denken.

Bei Mondrian ist das Weiß wie der Himmel, zu dem man über die Leiter aus blau-rot-gelben Gittern emporsteigt. Malewitsch malt das Weltall weiß und seine geometrischen Formen schweben schwerelos mit leichter Drift, mal nach links, mal nach rechts, und, was rechteckig war, verformt sich dabei zum Trapez, und es sieht aus, als habe einer den Formen an ihre Seitenlinien getippt, um ihnen ein wenig Schwung zu geben.

"Suprematismus" hat Malewitsch seine Unendlichkeitsmalerei genannt. Was das unvorstellbar unübersteigbar Höchste meint. Die letzte Instanz. Supreme Court. Weiter kann sich die Kunst nicht vorwagen. Dachten jedenfalls die Maler einen verwegenen Kunstgeschichtsaugenblick lang. Und die besiegte Sonne dachte sich ihren Teil dazu.“
Hans-Joachim Müller heute in der WELT über die Ausstellungen "Kasimir Malewitsch und die russische Avantgarde", bis zum 22. Juni 2014 in der Bundeskunsthalle Bonn. "Kandinsky, Malewitsch, Mondrian. Der weiße Abgrund Unendlichkeit", bis zum 6. Juli 2014 in der Kunstsammlung Nordrheinwestfalen.

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