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Hélène de Beauvoir

Redaktion: 

Hélène de Beauvoir (Quelle: Elisabeth Sandmann Verlag)

Sie gehörte zum glamourösen Zentrum der intellektuellen und künstlerischen Avantgarde in Paris um Sartre, Camus, Picasso und ihre Schwester Simone. Doch obwohl Hélène de Beauvoir in ihrem Freiheitsdrang oft entschlossener und mutiger war als ihre große Schwester, stand und steht sie bis heute in deren Schatten. Der Elisabeth Sandmann Verlag macht die Erinnerungen der vielfältigen Malerin nun erstmals unter dem Titel »Ich habe immer getan, was ich wollte« für den deutschsprachigen Raum zugänglich. Ergänzt um bisher unveröffentlichte Dokumente, die u. a. auch von Simone und Sartre stammen, rückt die Autobiographie Hélène de Beauvoir ins Bewusstsein und bewahrt sie vor dem Vergessen. Ihre Erinnerungen sind so aufschlussreich, dass selbst die Memoiren der berühmten Schwester teilweise neu bewertet werden müssen.

HELENE DE BEAUVOIR (1910-2001) war nicht nur eine außergewöhnlich talentierte und unkonformistische Künstlerin, sondern auch eine bemerkenswerte Persönlichkeit. Schon in jungen Jahren rebellierte sie gegen Angepasstheit und den »obskuren Platz«, den ihr die gesellschaftliche Konvention als Frau zuschrieb. Mehr noch als Simone hatte die zwei Jahre jüngere Hélène, an deren Stelle sich die Familie einen Jungen gewünscht hatte, mit der patriarchalischen Gesellschaftsordnung zu kämpfen. Sie engagierte sich früh gegen gesellschaftspolitische Missstände und nahm an der Seite von Simone und Sartre an den großen intellektuellen Bewegungen der Nachkriegszeit teil. Tatsächlich war es Hélène, die ihre große Schwester ermutigte, sich stärker mit der Unterdrückung der Frau auseinanderzusetzen.

Die SCHWESTERN DE BEAUVOIR waren einander »unentbehrlich«. Zeitlebens inspirierten sich die beiden Freigeister gegenseitig und Simone verfolgte Hélènes künstlerischen Werdegang wortreich und aufmerksam. Deren Loyalität gegenüber Simone war grenzenlos und brach selbst dann nicht, als das Bild der treu sorgenden und verständnisvollen großen Schwester in den posthum veröffentlichten Briefen an Sartre Risse bekam. Denn obwohl sich darin Zweifel und verletzende Boshaftigkeiten über Hélènes Kunst der 1950er Jahre finden und Simone darüber klagt, ihre Schwester finanziell unterstützen zu müssen, äußerte sich Hélène öffentlich nie dazu. Zu stark war die bedingungslose Liebe zu ihrer Schwester.

Die vollständig bearbeitete deutsche Erstübersetzung der »Souvenirs« basiert auf Interviews, die Marcelle Routier 1987 mit der Künstlerin führte. Ergänzt wurde die Ausgabe mit Originaltexten aus verschiedenen Lebensabschnitten und Schaffensperioden, die den künstlerischen, insbesondere aber den persönlichen Werdegang Hélène de Beauvoirs dokumentieren. Zugleich sind sie beeindruckende Zeugnisse der Zeitgeschichte. Besonders der deutsche Galerist Ludwig Hammer, der auf Wunsch der Künstlerin einen erheblichen Teil ihrer Gemälde, Grafiken, Skizzenbücher, Briefe und Dokumente verwaltet, hat ermöglicht, dass bislang gänzlich unveröffentlichtes Material publiziert wird und zur Wiederentdeckung dieser herausragenden Persönlichkeit beiträgt.

Jetzt erschienen: Hélène de Beauvoir / Karin Sagner (Hg.): Souvenirs. "Ich habe immer getan, was ich wollte". Elisabeth Sandmann Verlag.

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