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Gedächtnissplitter

Redaktion: 

Wolfgang Hilbig (aus der Fotoserie Oltmann von 1983)

Jörg Magenau gibt die Buchempfehlung des Deutschlandradios im Monat Mai:

„Sie lernten sich 1969 in dem Ausflugslokal "Nonnenmühle" am Tollensesee kennen. Wolfgang Hilbig arbeitete dort als Abräumer, Margret Franzlik als Küchenhilfe. Sie hatte gerade das Abitur gemacht und begann dann ein Studium der Journalistik; er war der Arbeiterdichter aus Meuselwitz, der wegen seiner Sympathien für den Prager Frühling aus dem Schriftstellerverband ausgeschlossen worden war und mit Veröffentlichungen in der DDR nicht mehr rechnen konnte. Bis 1982 waren Franzlik und Hilbig ein Paar, lebten zunächst in Leipzig, bis er ihr nach Berlin folgte. 1980 kam ihre Tochter zur Welt.
Nun hat Margret Franzlik ihre "Erinnerung an Wolfgang Hilbig" vorgelegt, einen schmalen Band mit kleinen Szenen und Gedächtnissplittern, vielen Fotos und Dokumenten, Briefen und so manchen Details aus Hilbigs Kindheit und Familie, zu der sie bis zuletzt gehörte - so pflegte sie Hilbigs sterbende Mutter. Sie verrät, welche Landschaft Hilbig zu dem Gedicht "Windmühlen, Wassermühlen" angeregt hat, sie kennt den Briefkasten, der in einem seiner Prosatexte eine Rolle spielt, weil der Erzähler jede Nacht dorthin geht, um einen Brief an die Geliebte einzuwerfen, den er sich in einsamen Stunden abgerungen hat. All das muss man nicht wissen, weil gute Literatur derartiger Belege durch biografische Verankerung nicht bedarf, aber es ist ein schöner Zeitvertreib und eine freundliche Geste: ein Puzzlespiel, ein Poesiealbum. So funktioniert Erinnerung.“

Margret Franzlik: Erinnerungen an Wolfgang Hilbig. Transit-Verlag

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