Fixpoetry

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Gipfelzipfel Poliversale

Redaktion: 

Alte Schmiede Literarisches Quartier © Christian Fischer

Das Gedicht ist die Urform der Literatur und, nach Jahrtausenden, immer noch Gipfelpunkt einer Sprachkunst, die Lebensempfindungen von Einzelnen und Generationen ausdrücken und mühelos mit Zeitgeschehen und Grundbedingungen der Existenz in Verbindung setzen kann. Das Wiener Lyrikfest POLIVERSALE verleiht den kreativen und interpretativen Formen der Auseinandersetzung mit Poesie, die in vier Jahrzehnten in der Alten Schmiede entwickelt worden sind, einen konzentrierten Ausdruck und bietet dem literaturinteressierten Publikum Wiens einen Ausschnitt des internationalen Verständigungs- und Korrespondenznetzes zeitgenössischer Dichtung an, in das österreichische Dichterinnen und Dichter verschiedentlich eingebunden sind.

Der schottische Dichter John Burnside, der in den letzten Jahren mit seiner Biographie A Lie About My Father weltweit bekannt geworden ist, und Patrizia Cavalli, eine hierzulande noch zu entdeckende bedeutende Stimme der italienischen Lyrik, eröffnen am 14.5. um 19.00 Uhr das Lyrik-Fest.
 
Friederike Mayröcker begibt sich am 15.5. um 20.00 Uhr auf einen einzigartigen Streifzug durch die sieben Jahrzehnte ihrer dichterischen Produktion.

Um die Lesungen der Bachmann-Preisträgerinnen Olga Martynova (19.5.) und Maja Haderlap, zusammen mit dem australischen Dichter Les Murray (seit Jahren immer wieder im Zusammenhang mit den Nobel-Preisverleihungen genannt, 27.5.),  der jungen makedonischen Dichterin Lidija Dimkovska und des hervorragenden polnischen Dichters Adam Zagajewski (4.6.) entwickeln sich weitere Schwerpunkte des Festivals.

Im DichtFest am 22.5. sind einige dichterische Buch-Premieren zu feiern, darunter Nester des Dichters Michael Hammerschmid, der durch alle anderen Abende des von ihm konzipierten Festivals führen wird.

Ein mit Gedichten und Überlegungen argumentierendes Gespräch über das Dichten in Gesellschaft mit Christine Huber, Sonja Harter, den Fried-Preisträgern Nico Bleutge und Robert Schindel und dem Artmann- und Jandl-Preisträger Ferdinand Schmatz, der das Wiener Institut für Sprachkunst leitet (26.5.), beschreitet neue Wege in der öffentlichen Verständigung über die zeitgenössische Dichtkunst.

Der 2005 in Wien verstorbene Südtiroler Dichter Gerhard Kofler verband in seinen großen Dichtungszyklen, die Grundbücher sowohl der österreichischen als auch der italienischen Literatur geworden sind, mediterrane und deutschsprachige Dichtungstraditionen (20.5.).

Dass verspielte Kühnheiten und Tabubrüche nicht nur in der Moderne, sondern seit Alters her Privileg der Dichtung zu sein scheinen, zeigen zwei Stunden der literarischen Erleuchtung: Der Schweizer Dichter und Übersetzer Ralph Dutli hat die französischen Fatrasien des 13. Jahrhunderts wieder entdeckt und erstmals ins Deutsche übersetzt (19.5.), der Wiener Dichter Herbert J. Wimmer erinnert an die surreal anmutende Dichtungspoetik Helmut Heißenbüttels, einem der Pioniere deutschsprachiger Nachkriegsmoderne (2.6.) .

Mehrfach ausgezeichnete Protagonisten der Slam-Poetry stellen Verbindungen zur österreichischen zeitgenössischen Dichtung her (5.6.), die Schriftstellerin und Dichterin Elfriede Czurda wird im Rahmen der Ernst-Jandl-Dozentur 2014 an der Universität über Zusammenhänge von Sprache – Denken – Zeichen referieren (11.6.), bevor unter dem Motto improvisieren, kombinieren, konstruieren drei zugleich methodisch und spielerisch ausgerichtete Dichter, Franz Josef Czernin (Österreich) (Ich fand kürzlich in einem Plattenkonvolut eine alte Single aus den frühen 70er, auf der zu meiner Überraschung FJC als Komponist und Texter agiert – zu goutieren in meiner krautlounge; FM), Ulf Stolterfoht (Deutschland) und Kurt Lanthaler (Italien / Schweiz) ein offenes Ende des Festivals setzen (12.6.).

Michael Hammerschmid schreibt in seinem ausführlichen Essay zum Festival, der zur Eröffnung in der 69. Ausgabe der Zeitung der Alten Schmiede, Der Hammer, erscheinen wird: Es ist nicht einfach, ein ganzes Genre auf einen Nenner zu bringen, ja eigentlich unmöglich, und doch bietet ein Festival einen guten und seltenen Anlass dazu, die eigenen Bilder und Kategorien von Dichtung zu überdenken, zu erneuern, und wahrzunehmen, wie viel genuin lebendiges, kritisches, ungewohntes Schreiben in der Dichtung gerade im Umlauf und Entstehen ist.

Terminübersicht und weitere Details auf www.alte-schmiede.at

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