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Groddeck autobiographisch

Redaktion: 

Georg Groddeck (Quelle: www.georg-groddeck.de)

Galina Hristeva bespricht aktuell auf literaturkritik.de die autobiographischen Schriften von Georg Groddeck.

Der Mensch ist für Groddeck „keine Retorte für chemische Experimente“, sondern er bestimmt „selbstherrlich sein Gesundsein oder Kranksein“. Krankheit ist „immer das Versteck des Wachstums […], mag sie nun körperlich oder seelisch sein; es gibt davon keine Ausnahmen“. Noch optimistischer, fast euphorisch, klingen folgende Äußerungen des Autors, die dem vorliegenden Band seinen Titel geliefert haben: „Persönlich habe ich nie anders empfunden, als das ich der Staat bin, ich ganz allein. Ja ich gehe noch viel weiter darin und behaupte, dass ich die Welt bin, behaupte es nicht nur, sondern suche danach zu leben und andre Menschen zu lehren, sich als Welt zu empfinden. Nur die Welt existiert, die der Mensch sich selbst schafft, eine objektive Welt, eine Welt an sich giebt es nicht. Wenn ich nicht da bin, ist keine Welt mehr da.“ Was sich hier beinahe als Größenwahnsinn ausnehmen mag und auch hervorragend zum „Traum vom Anderssein“ passt, den der Herausgeber Wolfgang Martynkewicz in seinem Nachwort zur Ausgabe als Groddecks Hauptcharakteristik herausstellt, wird im Weiteren von Groddeck unmissverständlich und voller Demut erklärt: „So kann man denken und so zu denken führt nicht zur Selbstsucht, sondern zum Sichselbstaufgeben.“ Denn: „der Mensch [ist] nichts andres […] als ein unlösbarer Teil der Welt und die Welt nichts andres als ein unlösbarer Teil des Menschen.“

Georg Groddeck: Die Welt bin ich. Autobiographische Schriften.  Herausgegeben von Wolfgang Martynkewicz. Stroemfeld Verlag, Frankfurt am Main 2013

„Nicht von ungefähr erwecken die hier edierten Texte den Eindruck von psychischen Umschriften, sie umschreiben das Leben in einem ständigen, immer wieder neu ansetzenden Prozeß. Für Groddeck ist es nicht möglich, den Kern des Lebens zu fassen und ihn analytisch zu durchdringen. Das Leben ist für ihn kernlos, deshalb gibt es für ihn nur Umschreibungen, die zu keinen Enthüllungen und zu keiner Wahrheit führen, sondern nur zu neuen Umschreibungen. Gern verwies Groddeck dabei auf die ›Zwiebelszene‹ in Peer Gynt, wo beim Häuten der Zwiebel auch im »innersten Inneren« kein Kern zum Vorschein kommt, »bloß Häute – nur immer kleiner und kleiner«.“ Verlagsinfo

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