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Redaktion: 

Marcel Maas liest Lyrik in der Leselounge des Literaturhaus Schleswig Holstein . Foto: Mathias Prinz

Christian Luckscheiter aktuell auf literaturkritik.de über „Prokrastiniert Euch“ von Marcel Maas.

„Wahrscheinlich aber ist alles Deuteln überflüssig. Es geht um Sprache, neue Rhythmen, neue Wörter, und sei es durch das Umstellen einzelner Buchstaben. Die Gedichte der ersten beiden Teile scheinen beinahe, wie man nun merken kann, bloße Fingerübungen gewesen zu sein, Vorbereitungskurs, Aufwärmphase für das Eigentliche. Der Ton wird höher, die Differenziertheit nimmt nochmal zu, die Kleinschreibung ist aufgegeben, die Ansagen sind eindeutig, kein Gescratche mehr. Die zehn Stücke Parade und Parcours, ausgeschrieben durchgezählt, sind raffiniert gebaut und haben einen einmaligen Rhythmus. Und dann kommt die eine wichtige Zeile: „Du was du wirst“, die wiederholt wird, wie der ganze dritte Teil von Wiederholung und Variation lebt. Der Sprachrausch endet in einem magischen Quadrat aus lauter Vieren. Wenn sich dahinter ein Geheimcode verbergen sollte, dann womöglich derjenige, dass es außer der Vier hier keine Bedeutung gibt; sie verweist nur auf sich selbst. So gelesen würde das Quadrat den Eindruck untermauern, dass es hier nicht um Inhalt, um Aussage geht, sondern um die Sprache als Literatur. Die ist neu – und gehört sicher mit zum Besten, was es in der deutschsprachigen Lyrik des 21. Jahrhunderts zu bestaunen gibt. Vielleicht ist Marcel Maas Dobermann. Vielleicht ist er auch der Arthur Rambo der Gegenwartsliteratur.“

Leseprobe aus „Prokrastiniert Euch“

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