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Das Auge des Arbeiters

Redaktion: 

Unbekannter Fotograf: Arbeiterfamilie in einer Notunterkunft in Leipzig, 1920er Jahre. Stadtgeschichtliches Museum Leipzig

Neue Ausstellung in den Kunstsammlungen Zwickau vom 23.05.2014 - 03.08.2014 | Das Auge des Arbeiters  - Arbeiterfotografie und Kunst um 1930

In Momentaufnahmen „von unten“ belichtet die Ausstellung die Weimarer Republik. Sie lenkt den Blick auf bisher kaum wahrgenommene Akteure im Spannungsfeld zwischen privater Medienkultur und linker Propaganda: Arbeiter, Handwerker und Kleinbauern, die um 1930 ihre Lebenswelt fotografierten. Mit ihrem Alltag bildeten sie soziale wie politische Konflikte ab – und trugen damit zu deren agitatorischer Inszenierung in der Parteipresse bei. So erweisen sich die Amateuraufnahmen vom Beginn der Medienmoderne als Vorboten sowohl der DDR-Fotokultur als auch der heutigen Bilderflut des Internets.

 In der Ausstellung treten die Arbeiterfotografien in einen Dialog mit Malerei und Grafik der Neuen Sachlichkeit und des Kritischen Realismus. Den Aufnahmen der Arbeiterfotografen wie Wilhelm Zimmermann, Walter Ballhause, Hans Bresler oder Richard Peter werden in übergreifenden Themenbereichen (Erinnern, Arbeiten, Leben, Hoffen, Sehen, Montieren) Werke von bildenden Künstlern gegenübergestellt. Zu sehen sind u.a. Gemälde und Graphiken von Otto Dix, Conrad Felixmüller, Erich Fraaß, Otto Griebel, Heinz Hamisch, Walter Jacob, Käthe Kollwitz, Wilhelm Lachnit, Curt Querner oder Erika Streit. Zudem werden die politischen Fotocollagen von John Heartfield gezeigt.

Ein Mittler zwischen den Welten war der Betonbauer Albert Hennig (1907–1998). Er wagte 1932 am Dessauer Bauhaus den Sprung vom proletarischen Amateurfotografen zum „Reklamemann“. Als Künstler zu arbeiten, sollte ihm jedoch erst sehr viel später gelingen. Die Kunstsammlungen Zwickau bewahren Hennigs ebenso umfangreichen wie außergewöhnlichen Nachlass – darunter über 400 erstmals im Buch katalogisierte Fotografien. Für die Ausstellung sind rund 60 Fotos und 10 freie künstlerische Arbeiten ausgewählt worden.

Der Katalog ist erschienen bei spectorbooks:

Wolfgang Hesse (Hg.): Das Auge des Arbeiters. Arbeiterfotografie und Kunst um 1930

Wer Interesse am Thema hat: http://www.arbeiterfotografie-sachsen.de/bildquellen/

 Ende 2012 konnte die Sächsische Landesbibliothek – Staats- und Universitätsbibliothek Dresden (SLUB) aus dem Antiquariatshandel ein nahezu vollständiges Exemplar der Zeitschrift „Der Arbeiter-Fotograf“ erwerben. Damit kam eine zentrale Quelle zur Geschichte der proletarischen Amateurfotografie der Weimarer Republik in den Bestand, die nur in wenigen Bibliotheken überliefert ist. Da bisher die Forschung zumeist auf Mikrofilme mit schlechter Bildqualität angewiesen war, entschloss sich die SLUB, die Hefte in ihrem Digitalisierungszentrum zu reproduzieren und online recherchierbar zu machen. Sobald die noch fehlenden Ausgaben ergänzt sind, wird damit „Der Arbeiter-Fotograf“ auch international in guter Qualität vollständig verfügbar sein.

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