Fixpoetry

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Selbstentblößungen

Redaktion: 

Yi Sang (Quelle: Advanced Poetry Workshop)

Weltempfänger  Nr. 23:

Auf Platz 1 die lyrischen Sprachexperimente von Jorge Kanese aus Paraguay, Die Freuden der Hölle, kühn auf deutsch nachgedichtet (Luxbooks); auf Platz 2 der brillante Roman Jesusalem des Mosambikaners Mia Couto (Wunderhorn), gefolgt vom Antikriegsroman des in Deutschland lebenden Irakers Najem Wali (Hanser). Ein Klassiker der koreanischen Avantgarde von Yisang, Betriebsferien und andere Umstände (Droschl) wird ebenso gewürdigt wie der aktuell gefeierte Roman des nigerianischen Ausnahmetalents Chimamanda Ngozi Adichie Americanah (S.Fischer). Auf Platz 6 der in den USA lebende pakistanische Schriftsteller Nadeen Aslam mit Der Garten des Blinden (DVA) und der verstörende und berührende Familienroman Das verborgene Leben der Pflanzen von Lee Sung-U aus Korea.

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Gleich zwei Werke aus Korea also. Schon der Blick auf die Betriebsferien und andere Umstände lohnt.

Hier sind veröffentlicht "die intimen Selbstentblößungen unter den Bedingungen von Kolonialismus und früher Moderne", wie der Verlag Droschl die gerade erschienenen Erzählungen umreißt: Überraschende Einblicke in die Moderne Ostasiens.
Yisang, der als bedeutendster Schriftsteller des frühen 20. Jahrhunderts in Korea gilt und Namensgeber des wichtigsten koreanischen Literaturpreises ist, enthüllt in seinen Erzählungen seine eigenen, damals als skandalös empfundenen Lebensumstände, seine von Eifersucht und nüchterner Analyse bestimmte Abhängigkeit von einer Prostituierten.
Erotik und Lebensmüdigkeit sind die großen Motive im Werk des frühverstorbenen Autors, und diese Themenkomplexe sind eingebettet in die spezielle Erfahrung eines Landes, das unter kolonialer Besatzung steht und dessen Gesellschaft zugleich den entscheidenden Wandel in die Moderne durchmacht. Die dadurch ausgelösten Leidenschaften, die Brüche, Unsicherheiten und neuen Freiheiten spürt Yisang mit seismographischer Empfindsamkeit in seinen Figuren auf, die zwischen ihrem Begehren und den ökonomischen Bedingungen nach ihrer Identität suchen. Die Bezugspunkte Yisangs sind Japan und die westliche Moderne, und das trifft im Besonderen auf seine stilistischen Techniken zu.

„Yisang (1910-1937) hat ein schmales Werk hinterlassen; einen Roman, fünfzehn Erzählungen, immerhin hundert Gedichte und fünfzig Essays, die zu den bedeutendsten der koreanischen Literatur gezählt werden. Wer sich mit der modernen Literatur Koreas befasst, kommt nicht an Yisang vorbei. Er ist ein Kultautor, Initiator der Moderne und des Experiments, ein Dandy, ein koreanischer Rimbaud. Klar ist seine Stellung in der Geschichte der koreanischen Literatur: Seine Dichtung steht an der Stelle, an der die literarische Moderne Koreas, vom Westen angeregt, in eigener Sprache konkretisiert wird und eine eigene Couleur bekommt.)“, Hanju Yang in seinem Nachwort zu Yisang: Mogelperspektive. (nachzulesen auf dem wunderbaren planetlyrik)

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