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Die Badewanne

Redaktion: 

Liselore Bergman und Alexander Camaro, 1949. - Foto: Berlinische Galerie

Camaro und das Künstlerkabarett Die Badewanne – eine Ausstellung im Camaro Haus, Berlin vom 25. April – 24. Juli 2014.

Berlin 1949: eine Trümmerlandschaft als absurde und groteske Kulisse. Im Keller der Femina-Bar etabliert sich das junge,wilde Künstlerkabarett Die Badewanne aus Malern, Literaten,Tänzerinnen und Musikern. Schon bald feiert hier die internationale Boheme. Die Idee des Französischen Surrealismus wird auf die Experimentierbühne befördert, ausgedeutet und in die Jetztzeit übertragen.

Gemeinsam erarbeiten die KünstlerInnen ein Programm: Persönliche Erfahrungen der vergangenen Jahre, ob Traum oder Trauma, ob Euphorie oder Hoffnungslosigkeit – widersprüchliches Erleben ist das Thema. In provozierenden und poetischen Bildern zugleich erstellt Die Badewanne ein bisheute faszinierendes Porträt ihrer Zeit.

Dieses einzigartige zeitgeschichtliche Phänomen würdigt das Camaro Haus erstmalig mit einer umfassenden Ausstellung von rund 150 Exponaten, darunter hochrangige Leihgaben aus bekannten Museen und Sammlungen. Der Fokus richtet sich auf den interdisziplinären Charakter, die Kreativität und die Rolle der Badewanne in der deutschen Nachkriegszeit.

Der Maler Alexander Camaro gehörte nicht nur zu den drei künstlerischen Hauptbegründern dieses Projekts, sondern ist vor allem derjenige gewesen, der über langjährige professionelle Bühnenerfahrung verfügte: als Tänzer, als Zirkusartist und Pantomime-Künstler wußte er seine Präsenz überaus schöpferisch einzubringen.
Die weiteren Mitglieder der Badewanne:

Alexander Camaro
Katja Meirowsky
Johannes Hübner
Hans Laabs
Wolfgang Frankenstein
Waldemar Grzimek
Paul Rosié
Liselore Bergmann
Iris Barbura
Theo Goldberg
Joachim Klünner
Lothar Klünner
Werner Heldt
Jeanne Mammen
Unica Zürn
Heinz Trökes
Mac Zimmermann
Hans Thiemann

„In parodistischen Spielszenen vor „lebendig“ werdenden, als Bühnenbild dienenden Gemälden arbeiten sich die „Badewannen“-Künstler bevorzugt an surrealistischen Ikonen wie Dalí oder Miró ab. Sie reflektieren Sartretexte, pflegen Maskenspiele nach Brecht und Remarque und beackern ihre Kriegstraumata in Schocknummern wie blutigen OP-Szenen oder gespielten Selbstmorden. Zeit- und Gesellschaftskritik ist für die Jungavantgardisten dabei oberstes Gebot. So schräg und expressionistisch, wie dem heutigen Betrachter manches Szenenbild vorkommt, so maniriert wirkte es damals allerdings auch auf kopfschüttelnde Zeitgenossen. Etwa dem Kabarettisten Werner Finck, der die Badewannen-Shows laut einem in der Ausstellung nachzulesenden historischen Tagesspiegel-Artikel von Heinz Ohff – ziemlich lustig – als „neosurrealistischen Impotentialismus“ bezeichnet.“ Gunda Bartels im Tagesspiegel.

Zur Ausstellung erschien im Nicolai Verlag ein Katalog: Berlin surreal

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