Fixpoetry

Wir reden über Literatur
Fix Zone

Ins Jetzt gefallen

Redaktion: 

Gestrandete Schwalbe

Paul Jandl bespricht heute in der WELT den neuen Roman von Gertrud Leutenegger:

„"Panischer Frühling" ist ein grandioses Lebens- und ein Todesbuch, das keinen Zweifel darüber lässt, wie mit der prekären Endlichkeit alles Irdischen umzugehen ist. Im Erzählen wird aus den Brüchen ein tröstendes Kontinuum. Aber das Bild der Stille kann in Gertrud Leuteneggers Roman auch unversehens aus der Idylle kippen. Dann spürt man den Abgrund, und aus der Stille wird ein Stillstand, das untrügliche Zeichen des Todes. In die Kindheitssommer der im Pfarrhaus des Onkels verbrachten Ferien fahren die Schreie der Nachbarin, welche die Stille nicht ertragen kann.

Panischer Frühling" ist voller Gerüche und Geräusche. Vom Whitechapel Market wehen Gewürzdüfte aus aller Welt durch das Buch, aus den pakistanischen Restaurants kommt der Küchendunst, die Möwen schreien, und eine bis auf schmale Augenschlitze verschleierte Frau tappt in ihrem schwarzen Niqab durch die Straße.

Der gleichmäßige Rhythmus ihres Blindenstocks ist wie ein Metronom, er macht die Zeit spür- und hörbar, wie sie vergeht und wie jeder Takt schon den nächsten hervorbringt. Gertrud Leutenegger erzählt von Idyllen und Katastrophen, von der Harmonie der Liebe und vom Irrsinn der Welt; von den Gezeiten und damit auch von der Zeit. Schon länger ist man beim Lesen nicht so sehr ins Jetzt gefallen wie bei diesem Roman.“

Gertrud Leutenegger: Panischer Fühling. Roman. Suhrkamp

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr aus der Fix Zone



Dezember 2014



November 2014



Oktober 2014



September 2014



August 2014



Juli 2014



Juni 2014



Mai 2014



April 2014



März 2014



Februar 2014



Januar 2014