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Woof

Redaktion: 

Siggi Hofer "1988" - Ölpastell auf Papier 100 x 100 cm (2013)

Siggi Hofer zeigt in seiner aktuellen Ausstellung in der Galerie Meyer Kainer in Wien Endlosschleifen (Kreise), Schriftbilder und Wortobjekte. In den Kreisbildern zirkulieren Punkte, die sich zu einer Linie verbinden, in einem geschlossenen System. (Nach Paul Klee ist eine Linie "ein Punkt, der sich in Bewegung gesetzt hat ... auch das Ich ist ursprünglich ein Punkt.") Dieser Kreislauf fällt mal regelmäßig, mal trickreich elaboriert aus, ohne dass es dabei je zu Überschneidungen käme. Zuweilen bilden sich sogar Figurationen, nie jedoch ein Labyrinth. Die Abfolge der unabgeschlossenen Serie orientiert sich an Jahreszahlen von 1970 bis 1992 und verleiht den Bildern einen pseudo-retrospektiven Charakter. Die Serie nähert sich somit der Gegenwart und potentiell wird sie darüber hinaus in die Zukunft wachsen. Dynamisch sind auch die Schriftbilder, die die gegenüberliegende Wand strukturieren. Text und Bild sind komplementäre Zeichensysteme, die in vielfacher Hinsicht miteinander in Verbindung stehen und die Siggi Hofer in seinen Arbeiten aufeinander anwendet. Während Sprache seine Formen inhaltlich pointiert, unterstreicht die Beweglichkeit der formalen Zusammenhänge die Offenheit der sprachlichen Sinnkonstruktionen.

Alle Arbeiten basieren auf den gleichen Gestaltungsprinzipien und der einfachen Konstruktion der Formen. Die Typografie und die daraus entwickelten Linien werden sehr analog direkt am Bild entworfen. Kreis und Rechteck werden mit auffallend schlichten Werkzeugen gezogen, nämlich einer Metallschiene (einem Türschild) und einem Trinkglas. Die Methodik wird im Verlauf der Serien immer weiter ausdifferenziert und generiert genau an den abweichenden Stellen Bedeutung. Bei den Textbildern verschiebt sich das angenomme Raster und versetzt die Oberfläche in Bewegung. Hofer collagiert und bearbeitet Textfragmente aus unterschiedlichen Quellen wie Literatur, Graffitis, Liedtexte und Demonstrationsbanner inklusive der Fehler seiner Vorlagen. Die einfachen Texte scheinen ein ganzes Leben zu umfassen und sind zugleich doch auch plakativ. "Mein Bruder findet keine Arbeit" etwa oder "My Luck is my Hand". Dann wieder sind es schwebende Worte, freigelegt und ortlos, die manchmal als Klang, manchmal objekthaft wahrgenommen werden. In der Ausstellung gibt es sie auch als tatsächliche Objekte: Holzbalken, auf denen Buchstaben befestigt sind. "Union", "Bunker", "Lab" und "Losch" beispielsweise ist dort zu lesen. Die Balken liegen oder lehnen quer im Raum, wie Barrikaden, die zwischen zwei mit Plakaten beklebte Fassaden geworfen wurden.

Der Titel der Ausstellung "Woof" ist ein Ausruf, knappeste Kommunikation oder ein lautmalerisches Wort für das Bellen eines Hundes, ein Wort der Kindersprache und außerdem der Titel einer britischen Fernsehserie, in der sich ein Junge in einen Hund verwandelt. Aber es ist auch der Name einer Berliner Fetisch Bar: Woof, (the No.1 for hairy man). In allen Arbeiten Siggi Hofers, klingt solch eine Mehrstimmigkeit unterschiedlicher Lebensrealitäten an. Abgesehen von der Erinnerung an Jugendkulturen steht die Bar jedoch sicherlich im Vordergrund, als heterotopischer Ort, der seine Identität aufgrund immer wieder neu ausgehandelter Übereinkünfte erhält und demnach in unendlicher Bewegung ist. (Pressetext)

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