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Autoportrait

Redaktion: 

Buchcover

Jürgen Ritte bespricht in der NZZ das Autoportrait von Edouard Levé:

„… ineinander verknäuelte Rugby-Spieler, Fussballer in Strafraumszenen. Als Bilder wirken Levés Fotografien wie hyperrealistische Malerei, in ihrem Gestus wirken sie manieriert. Das ist der gesuchte Effekt: Levés Fotos verfremden die Wirklichkeit ins Kenntliche.

Dieses willkürlich serielle, hyperrealistische und ohne Kunstanspruch auftretende Verfahren hat Edouard Levé in die Literatur übertragen. Geschult an Georges Perecs «Je me souviens» aus dem Jahre 1978 – über 400 Sätze, die jeweils mit der Formel «Ich erinnere mich» einsetzen (ein Verfahren, das Perec von Joe Brainards «I remember», 1970, übernommen hatte) –, publizierte Levé 2005 sein «Autoportrait», sein Selbstporträt, das nun auch auf Deutsch vorliegt …

110 Seiten mit bald langen, bald kurzen Sätzen, die jeweils ein Ich als Subjekt haben, das ohne jedes erkennbar hierarchisierende Prinzip seine Meinungen, Erlebnisse, Geschmacksurteile aneinanderreiht. Eine bunte, kaleidoskopartige Liste dessen, was «Ich», was Identität sein könnte. Ähnlich und doch ganz anders als Proust («Ich habe mehr Proust gelesen als die Bibel», heisst es an einer Stelle) nimmt Levé den Leser mit auf eine Entdeckungsreise ohne Fahrplan, an deren Ende die Erkenntnis steht, dass der wirkliche Leser immer ein Leser seiner selbst ist und genau dieses Buch nun selbst schreiben sollte.“

Edouard Levé: Autoportrait. Aus dem Französischen von Claudia Hamm. Berlin, Matthes & Seitz 2013.

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