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Uwe Johnson zum 80. Geburtstag

Redaktion: 

Uwe Johnson (Foto: Uwe Johnson-Gesellschaft)

„Der Germanist Greg Bond hat im Johnson-Jahrbuch 2013 die Poetik Uwe Johnsons kurz und bündig zusammengefasst: "Die Fiktion erklärt uns die Wirklichkeit, weil sie gar nicht so tut, als ob sie die Wirklichkeit ist. Sie steht zu ihr in Konkurrenz und wird so authentisch." Mit der wirklichkeitserklärenden Fiktion muss sich auch das Uwe-Johnson-Literaturhaus in Klütz auseinandersetzen, ist es doch nicht, wie die meisten, einem Autor zugeschriebenen Literaturhäuser, am authentischen Wohn- oder Arbeitsort angesiedelt, sondern an einem Ort, der der Fiktion am nächsten kommt. Die Grenzen zwischen Realem und Erfundenem sind fließend. "Manchmal, und öfter, benehmen sich die Jerichower als wären sie Klützer." Wenn Jerichow, wie Johnson in den "Jahrestagen" schreibt, "ein wenig westlicher von Klütz liegt", dann ist aus Klütz längst Jerichow geworden, denn der Westen hat sich auch hier inzwischen ins Unendliche verlängert.“

Annett Gröschner besucht heute in der WELT das fiktive Jerichow anläßlich des 80. Geburtstages von Uwe Johnson.

In der ZEIT blickt Jan Brandt züruck auf einen der radikalsten deutschen Nachkriegsautoren:
„Johnsons Texte … sind allesamt Mutmaßungen, Behauptungen, Annäherungen an die Wirklichkeit. "Ich bin sicher", sagte er einmal auf unnachahmlich doppelbödige Weise, "es gibt Geschichten, die man so einfach erzählen kann, wie sie zu sein scheinen. Ich kenne keine."
Die Geschichten, die er schrieb, waren nie einfach, weil das Leben nie einfach ist. Anfang und Ende waren selbstgewählte, wohl überlegte Setzungen, Elemente der Komposition, Ausschnitte aus einem größeren, von einem Einzelnen unüberschaubaren Bild. Der Text: unendlich fortlaufend: Die Figuren: unabhängig von ihm existierend.“

Die Uwe Johnson Gesellschaft gedenkt mit zwei Veranstaltungen heute und morgen an den Autor:
Am 21. Juli 2014 zeigt sie den Film "Summer in the City" (1969), dessen Textbuch Uwe Johnson geschrieben hat, als Open-Air-Kino im Rostocker Klostergarten (hinter dem Kulturhistorischen Museum, Klosterhof 7). Die Veranstaltung beginnt 21.15 Uhr bei freiem Eintritt. Ab 20.00 Uhr gibt es vor Ort eine Kleinigkeit zu essen, bei gutem Wetter wird gegrillt.
Der in schwarz-weiß gedrehte Dokumentarfilm zeigt die dunklen Seiten des Alltags in New York. Er wurde nur zweimal im deutschen Fernsehen ausgestrahlt. Der Film zeigt zugleich eine der bisher wenig beachteten Seiten Uwe Johnsons, den schonungslosen Kommentator. Er hat die Texte selbst eingesprochen.

Die Braunschweiger Zeitung beschrieb die quere s/w Doku vor dem Ausstrahlungstermin so:
„Uwe Johnson und Schwarzwald schildern in ihrer Dokumentation ein gänzlich anderes, unbekanntes New York. Eine Peace-and-Freedom-Straßenparty: zwei junge Farbige, deren Dasein auf den Grundbestandteil reduziert ist, zu steheln, um sich vom Hehlergeld das tägliche Heroin zu kaufen und gegenseitig zu spritzen; eine intelligent-aggressive Negerin, die als Vertreterin der Armen des Viertels mit ihren Kindern an einer Protestkundgebung teilnimmt und dabei mit ihren Freunden von berittener Polizei zusammengeküppelt wird; eine kleinbürgerkich-satuierte Mittelstandfamilie mit ihrem selbstzufriedenen Alltagsleben; das Gammeldasein von Homosexuellen, einen Schönheitswettbewerg von Transvestiten; eine Hochzeit zwischen einem Puertorikaner und einer Mulattin“

Buchempfehlung zu Johnson:
Uwe Johnson. Befreundungen. Gespräche Dokumente Essays. Kontext Verlag.
   

 

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