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Sirup aus Sprache

Redaktion: 

Oswald Wiener - Foto aus: Österreichische Literatur seit 1945: eine Annäherung in Bildern (Reclam, 2000)

Beatrice von Matt bespricht heute in der NZZ einen Klassiker der literarischen Avantgarde der 60er, der im Verlag Jung und Jung als Teil einer «Bibliothek des neuen Sehens und des neuen Schreibens» wiedererschienen ist:

„Die Welt sei «sirup aus der sprache unserer väter», verkündete Oswald Wiener. Also galt es, gegen diese Sprache, deren Grammatik und Wirklichkeiten vorzugehen. «die sprache ausschlachten und für die fetzen verwendung haben», lautete seine Losung. Ludwig Wittgenstein, Karl Kraus, Heimito von Doderer waren bei diesem Zerschlagungsprozess Stütze, im Gleichen aber auch Steine des wütenden Anstosses. Ausschweifend und wüst, nicht weniger brillant zieht Oswald Wiener, in den fünfziger Jahren noch tonangebendes Mitglied der Wiener Gruppe, vom Leder. Nichts und niemand wird geschont, nicht einmal er selber als Autor.

«die verbesserung von mitteleuropa», «vvm» genannt, diese Ansammlung von Geistesblitzen, von Halb- und Viertelgedanken, von ausladenden Essays auch (in Wahrheit also alles andere als ein Roman), macht Seite für Seite die Protestkultur jener Jahre spürbar. Ein Protest war es, der seinerseits eine ungeheure autoritäre Energie verriet: «wie kann ich dir das knäuel in meinem hirn ins maul stopfen?» Im Wien seiner Adoleszenz habe man noch den Druck der «kompakten Gesellschaft» erfahren, sagte Oswald Wiener Jahrzehnte später. Dagegen habe man aufstehen müssen.“
 

Oswald Wiener: die verbesserung von mitteleuropa. roman. Herausgegeben und mit einem Nachwort versehen von Thomas Eder. Verlag Jung und Jung, Salzburg 2013

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