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Redaktion: 

Georg Müller vom Siel: Das Leben. Landesmuseum Oldenburg, Foto: Sven Adelaide.

Sehenswert noch bis 24. August im Landesmuseum für Kunst und Kulturgeschichte Oldenburg: Der andere Müller vom Siel. 

Georg Müller vom Siel (1865 - 1939) war ein beliebter Landschaftsmaler an der Wende vom 19. zum 20. Jahrhundert. Seine in der Landschaft um Dötlingen entstandenen Gemälde zählen zum festen Bestand der Galerie Neue Meister des Landesmuseums Oldenburg. Bis heute kannte man jedoch nicht das ganze OEuvre des Künstlers. Das während seines rund dreißig Jahre währenden Aufenthalts in der Nervenheilanstalt Wehnen bei Oldenburg zwischen 1909 und 1939 entstandene Spätwerk wurde lange Zeit ignoriert und tabuisiert.

Dabei steht die ästhetische Qualität der rund 180 Blätter, fein durchgearbeitet mit Feder, Stift und Pinsel, den frühen Arbeiten in nichts nach. Im Gegensatz zum übrigen Werk kommen in ihnen jedoch ungewohnte, provozierende und häufig rätselhafte Bildinhalte zum Tragen: Schlangen-, Phallus-, Samensymbole, Figuren, geometrische Formen und Text (auch lyrische Strukturen) werden frei miteinander kombiniert. Der späte Georg Müller vom Siel war ein Outsider der Gesellschaft und wurde mit diesen Blättern ein bedeutender, bislang unentdeckter Vertreter der „Outsider Art".

„Das Ich ist in Unordnung geraten, und Müller vom Siel weiß es. Er versucht, ihm eine Ordnung zu geben, ein Oben, ein Unten, eine Mitte, einen Logik, einen Sinn. Mit Hunderten von Bildern baut er dem Wahnsinn, in den er hineinrutscht, ein Geländer; ob es ihn hält oder tiefer hineinführt, wer will das entscheiden. Er malt abstrakt, surreal, dadaistisch, er wird Avantgardemaler, ohne es zu wollen, und ohne dass es jemand weiß.“ Julia Voss aktuell in der FAZ.
 

Im Rahmen einer Ausstellung, die das Landesmuseum gemeinsam mit der Heidelberger Sammlung Prinzhorn erarbeitet hat, wird die existentielle und sexualisierte Weltsicht der enigmatischen Aquarelle erstmals präsentiert und in den aktuellen Kontext der „Outsider Art" eingeordnet. Zum Vergleich werden Werke herangezogen, die zur selben Zeit wie die Blätter Müller vom Siels in anderen Anstalten des deutschsprachigen Raums entstanden sind. Spätestens in dieser Nachbarschaft wird deutlich, dass das Oldenburger Konvolut eine Entdeckung darstellt, der nun erstmals eine eigene Publikation und Ausstellung gewidmet werden. Der Katalog zur Ausstellung erschien bei Kerber.

 

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