Fixpoetry

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Wald Meistern

Redaktion: 

Elke Laznia © Foto: E. Resl

Karl-Markus Gauss macht aktuell in der NZZ eine „Sprachgewaltige Höllenfahrt“ aus:

„«Kindheitswald», im Untertitel als «Roman» bezeichnet, ist ein grosses Prosapoem in neun Gesängen. Was gezeigt wird – eine kleine, enge Welt der Grausamkeit: der ruchlose «Weggehvater»; die Mutter, die im Ort als Versagerin gilt, weil sie verlassen wurde und ihr die Schulden angelastet werden, die ihr Mann hinterliess; der unnahbare ältere Bruder, der das Elternhaus erben wird und nie Schutz und Trost spendete; die Gemeinschaft des Dorfes, einzig verschworen zur Niedertracht, Bosheit, Gemeinheit. Und immer am Rande, stetig bereit, aus dem Zimmer, dem Haus, dem Dorf in den Wald zu flüchten: das Mädchen, jetzt eine Mutter von zwei fast erwachsenen Söhnen und mit einem Mann verheiratet, von dem klar ist, dass auch er zur Feindeswelt gehört, aber nicht recht klar wird, was seine Schuld, sein Versagen eigentlich ausmacht. …
Ein Sprachkunstwerk ersten Ranges, ein grandioses Debüt.“

Elke Laznia: Kindheitswald. Roman. Verlag Müry Salzmann, Salzburg 2014.

„Sprache ist zwar Schmerztiegel lebenslanger Verwundungen. Doch Worte sind das einzige Mittel, den Verletzungen Ausdruck zu verleihen. Seelenarbeit ist daher hier vor allem Arbeit mit und an der Sprache. Werkzeuge und Techniken sind aus der experimentellen Literatur, vor allem aus der konkreten Poesie vertraut: Die Autorin arbeitet mit Staffelung, serieller Reihung, Wiederholung, Auslassung, Fragmentierung und Permutation.

Doch die Formen sind kein poetischer Selbstzweck. Sie stehen für Seelenzustände. Zum Beispiel dieAuslassung: Ständig fehlt etwas. Etwas fehlt. Alles fehlt. Oft sogar die persönlichen Fürwörter. Ihr Auslassen ist Signal für das Fehlen individueller Ausdrucks- und Verständigungsmöglichkeiten. Oder die Wiederholung: "Die Worte sind dieselben. Immer." Was bleibt, ist, die alten Worte Mal um Mal neu zu wiederholen. Und dann die Permutation: "Es ist immer alles heute." Immer wieder wird das Leid durch sämtliche Zeitformen dekliniert. Die Austauschbarkeit von Vergangenheit, Gegenwart, Zukunft und Möglichkeitsform macht den individuellen Schmerz universal. Schlussendlich die Fragmentierung: "Als wäre nichts gewesen. Es ist nichts gewesen. Es ist nichts." Die Entropie der Sätze spiegelt eine Wirklichkeit, die sich der Sprecherin in stärkerem Maße entzieht, als es der Erzählerin gelingt, sie Wort für Wort festzuschreiben.“  Michaela Schmitz im Buchmagazin des Literaturhaus Wien.

 

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