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Dieter Schlesak zum Geburtstag

Redaktion: 

Dieter Schlesak bei einer Lesung vor einigen Jahren im Münchner Haus des Deutschen Ostens. Foto: Konrad Klein

Edith Konradt erinnerte schon einmal an Dieter Schlesak, damals, vor 10 Jahren, in der Siebenbürgischen Zeitung:
"Jürgen Serke recherchierte für sein Buch „Das neue Exil. Die verbannten Dichter“, mit dem er das ebenso platte wie bequeme Rechts-Links-Denken aufzubrechen suchte, das damals in weiten Teilen der bundesdeutschen Öffentlichkeit einer differenzierten Wahrnehmung der aus sozialistischen Ländern emigrierten oder exilierten Schriftsteller im Wege stand. Und traf ganz unverhofft auf einen wahren Sisyphos des Wortes. Denn Schlesak, der sich nach siebenjähriger Arbeit an seinem Roman „Vaterlandstage oder Die Kunst des Verschwindens“ eine epische Pause gegönnt und den Gedichtband „Weiße Gegend – Fühlt die Gewalt in diesem Traum“ veröffentlicht hatte, führte Serke durch das unwegsame, teils verschüttete Gelände eines halben Jahrhunderts Lebens- und Zeitgeschichte mit den Hypostasen ihres Scheiterns seit den 30er-Jahren auf das „Themengebirge“ seines gerade wieder aufgenommenen Prosawerks. „Da versucht einer, unsere unüberschaubar gewordene Welt wieder überschaubar zu machen, die Atomisierung des Wissens aufzuheben, einen neuen Lebenszusammenhang herzustellen und mit diesem Versuch der Literatur wieder den Rang zurückzugewinnen, den sie bis James Joyce und auch noch im Scheitern Robert Musils (,Der Mann ohne Eigenschaften’) gehabt hat: ihrer Zeit voraus zu sein. Sechstausend Seiten hatte er niedergeschrieben und dann alles beiseite gelegt. Weiter gekommen wäre er allemal. Noch einmal sechstausend Seiten. Und dann wieder. Ein Schreiben ohne Ende. Grenzenlos“, hielt Serke fasziniert fest."

Das Schreiben ist geblieben - Überschaubarkeit hat wohl weder das Leben, die Zeit, noch das Schreiben gebracht.

Heute wird Dieter Schlesak 80 Jahre alt. Und fixpoetry gratuliert sehr herzlich!
Dieter Schlesak war einer der ersten Autoren auf fixpoetry und von ihm erschien 2009 das Leseheft: Ich liebe, also bin ich. Gedichte.

 

Weitere Stimmen zu Dieter Schlesak:

Hier ist, um mit Musil zu sprechen, nicht nur eine neue Seele da, sondern auch der dazugehörige Stil. Das vitale Sprach- und Erfahrungsmaterial ist in großräumige Rhythmen übersetzt, die in der Ferne die Zentnerschwere einer lyrischen Tradition von Gryphius bis Günther und Klopstock ahnen lassen, bei denen die Form gerade noch die alles sprengende Erfahrung fasst. Man möchte auf die formale und sprachliche Kunstleistung hinweisen, auf die Vielfalt der Themen – und könnte doch nur sagen: Ecce Poeta. Viele dieser Gedichte lassen den Leser nicht los, sie greifen seine Erfahrung, sein Bewusstsein an. (Walter Hinderer, Frankfurter Allgemeine Zeitung)

Die Ausführungen von Dieter Schlesak haben den Vorzug der Klarheit. Was bei Heiner Müller bisher dunkel „deutsches Verhängnis“, „Kolonisation“ oder „Überfremdung“, bei Volker Braun locker „das nicht Nennenswerte“ hieß und von Christa Wolf als „dunkle wilde Jagd“ bedichtet wird (...), was also zwischen Kreuzestod und altfränkischer Schicksalsrhetorik kaum hinreichend verständlich wurde (...), ist hier plötzlich deutlich. (Iris Radisch, Die Zeit)

Seit Goethes und Jean Pauls Zeiten gehört Schlesak zu den beeindruckendsten Traumerzählern. (Holger Jergius, Nürnberger Zeitung)

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