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Vielwinkliger Herr

Redaktion: 

Buchcover: Emil Szittya - Herr Außerhalb illustriert die Welt

Neu bei basisdruck:

Emil Szittya: Herr Außerhalb illustriert die Welt. Mit Erstdrucken aus dem Nachlass. Herausgegeben von Walter Fähnders.

Der Titel Herr Außerhalb illustriert die Welt erinnert nicht zufällig an die Sammlung Joe Frank illustriert die Welt von Franz Jung aus dem Jahre 1921, die über die damals aktuellen internationalen Klassenkämpfe in der Welt erzählte. Franz Jung (mit dem Szittya Kontakte pflegte) legte dabei seine Texte mit den Erfahrungen aus den Siegen und Niederlagen der Revolution „Joe Frank“ in dem Mund, seinem eigenen Pseudonym. Szittyas Texte teilen nicht die revolutionäre Zuversicht, mit der Joe Frank die Welt sah – dennoch suchen auch sie neue Perspektiven, um die Welt auf ihre ganz eigene Weise zu „illustrieren“.

Der 1886 in Budapest geborene Vagabund, Schriftsteller, Journalist, Kunstkritiker und Maler Emil Szittya war ein unermüdlicher Schreiber, er hat ein umfangreiches Werk hinterlassen, von dem nur der kleinere Teil, gut zwei Dutzend Bücher, publiziert wurde – das erste ungarisch, die folgenden deutsch, die letzten französisch (nach Jahren und längerem Aufenthalt in Berlin war Emil Szittya 1927 nach Paris übergesiedelt und dort sesshaft geworden). Fast die Hälfte seiner Bücher hatten kunsthistorische Themen. Die hier vorgelegte Auswahl berücksichtigt Texte aus fünf Jahrzehnten. Es sind literarische Prosastücke, die zwischen den 1910er und den frühen 1960er Jahren verfasst wurden. Diese 45 jeweils in sich abgeschlossenen Prosatexte entstammen aus seinen Erzählbänden mit so seltsamen Titeln wie Die Haschischfilms des Zöllners Henri Rousseau Und Tatjana Joukoff mischt die Karten, oder es sind Erstveröffentlichungen aus dem Nachlass.

Das Spektrum reicht dabei von der frühen experimentellen Prosa, die der Avantgarde verpflichtet ist und ihre Volten einer völlig ungebärdigen und ausgelassenen Metaphorik schlägt, bis hin zu den späten, nach dem Zweiten Weltkrieg entstandenen Rückblicken auf die frühen Jahre der Vagabondage, die Szittya erkennbar geprägt haben. Es geht um die Erinnerung an die Verschollenen (und an Verschollenes), an Unterdrückte, Vergessene – Außenseiter in Literatur und Kunst, aber auch im Gesellschaftlichen und Politischen, auf die der archimedische Blick gerichtet wird. Es geht also um neue Blicke auf Künstler und ‚Revoltierte‘, aber auch immer wieder auf das eigene Ich. Das mag literarische Selbstinszenierung sein, ist aber zugleich Teil der künstlerischen Selbstreflexion, wie sie Avantgarde und Moderne des 20. Jahrhunderts insgesamt charakterisiert. Jedenfalls sind sie authentischer Teil des „Außerhalb“-Projektes. Sie sind durchaus verquer – „weil ich“, so Szittya in seinem frühen, den Dadaisten Hugo Ball und Emmy Hennings gewidmeten Text Ich, „zu meiner Mission vielwinkeIig sein muß“.

Emil Szittya starb am 26. November 1964 in Paris. Herr Außerhalb illustriert die Welt erinnert an den 50. Todestag des weitgehend vergessenen Autors.

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