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Christoph Meckel zum 80.

Redaktion: 

 

Buchcover: Tarnkappe. Grafik von Christoph Meckel

Hartmut Buchholz in der Badischen Zeitung zum  80. Geburtstag von Christoph Meckel:

„Und siehe da: "Tarnkappe", einen Publikationszeitraum von 1956 bis 2013 umfassend, dokumentiert ein lyrisches Werk von beachtlicher Geschlossenheit und von bemerkenswerter Kontinuität. Schon wahr, die großen Poeme und Zyklen der 1980er und 1990er Jahre sprechen eine andere dichterische Sprache als das Früh- oder Spätwerk, aber: Es gibt Naturbilder und Figurenkonstellationen, Erfahrungsmodelle und Ironie-Formen, Stilfiguren und Prisen an Komik, die sich durch das Gesamtwerk ziehen.
Meckels Gedichte, darin seinem graphischen Werk der "Weltkomödie" verwandt, sind ein gewaltiges künstlerisches Panorama, komponiert aus Konstanten und Variablen. Vielleicht bedurfte es dieser Ausgabe "letzter Hand", um die innere Kohärenz eines lyrischen Oeuvres in der gebotenen Deutlichkeit zu zeigen, das von Beginn an widerständig war gegen alle Etikettierungen, das mit den zeitgeistprägenden Schulen wenig bis nichts gemein hatte und das – wie sich jetzt zeigt: mit Recht – auf einen ganz eigenen, unverwechselbaren Ton baute. Wie in der Graphik hat Meckel auch in seiner Lyrik schon als 20-Jähriger auf einen Fundus an ganz und gar Eigenem vertrauen können, der sich als haltbar erwies.“

 

Am Mittwoch, den 17.06. um 20 Uhr feiert das Lyrik-Kabinett in München den Geburtstag des Dichters. Es lesen aus seinen gesammelten Gedichten:

Heinrich Detering, Elisabeth Edl, Michael Krüger, Anja Utler und Jan Wagner.

„Von Christoph Meckel, der Verkörperung des romantischen Dichters, der alles andere als naiv und schwärmerisch ist, gibt es zu seinem 80. Geburtstag eine Gesamtausgabe seiner Gedichte, die auch für Kenner seines Werks Überraschungen bietet, denn viele seiner Gedichtbände waren in kleinen Verlagen erschienen und kaum im Handel erhältlich. Die nun vorliegenden tausend Seiten zeigen einen produktiven, artistischen Dichter, der die Komödie der Welt in immer neuen Versuchen zu preisen und zu demaskieren versteht. Ein Lebensroman in Versen, großartig und auf jeder Seite überraschend.“ Michael Krüger über den neuen Band Tarnkappe, herausgegeben von Wolfgang Matz, erschienen 2015 im Carl Hanser Verlag. An diesem Abend feiern Meckels Freunde in einem mehrstimmigen Lese-Konzert seine Dichtung.
 

u.A.w.g.

Davon ausgehend
daß die Materie erhalten bleibt und nicht verwechselt wird
                mit Utopie oder Lyrik
weiter davon ausgehend
daß der Dreckige Jakob und sein Neinsein nicht verwechselt
                wird mit Mister Rockefeller und seinen Geschäften
ferner davon ausgehend
daß der Tod Fleisch frißt und nicht verwechselt wird mit
                einem Genickschuß
alles in allem davon ausgehend
daß der Mensch die Krone der Schöpfung ist und nicht
                verwechselt werden kann mit Schwein, Laus oder Affe –
Licht der Welt! Um Antwort wird gebeten.

 

Christoph Meckel, aus: Tarnkappe. Gesammelte Gedichte,
herausgegeben von Wolfgang Matz. Hanser 2015, S. 726

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