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Yesterday

Redaktion: 

Jürgen Spohn, Fourteen hour multicolor hippie flower. Plakat. (Quelle: Klingspor Museum)

Yesterday – die Sixties in Buch und Schrift.
Eine Ausstellung noch bis zum 23.08.2015 im Klingspor Museum in Offenbach.
Nach einer Phase der Restauration in den fünfziger Jahren des 20. Jahrhunderts war das darauffolgende Jahrzehnt eine Zeit des Auf- und Umbruchs. Junge Menschen begannen gegen verkrustete Gesellschaftsstrukturen aufzubegehren. Autoritäten wurden hinterfragt, die Studenten forderten eine Demokratisierung des Bildungsbetriebs, gegen den amerikanischen Krieg in Vietnam formierte sich eine breite Protestbewegung, die herrschende bürgerliche Sexualmoral wurde überwunden und Deutschlands unbewältigte Vergangenheit nicht länger totgeschwiegen. Auch die Kunstströmungen dieser Zeit intendierten eine Demokratisierung der Kunst. Konzeptkunst und Fluxus wollten das Kunstwerk von seinem Sockel holen und ihm so die Aura des Elitären nehmen. Ein Kunstwerk war nicht mehr an gediegene Ausführungen in raffinierten Techniken gebunden, was zählte war allein die schöpferische Idee, Happenings bezogen das Publikum in das Geschehen mit ein, wie auch die Kunst den Alltag mit einbezog. Die Pop-Art, in den fünfziger Jahren in den USA entstanden, wurde zur vorherrschenden Kunstrichtung der Zeit. Banale Alltagsdinge hielten als Sujet Einzug in die Kunst. Serielle Gestaltungsprinzipien und grell bunte Farben sind kennzeichnend für die Zeit.

Künstlerischer sowie gesellschaftlicher Diskurs schlagen sich in der Buchkunst nieder. Das Klingspor-Museum beleuchtet ein aufmüpfiges, spannendes Jahrzehnt, das durch sein Aufbrechen alter Strukturen, das ausgehende 20. Jahrhundert stark geprägt hat, in seinen verschiedenen Facetten.

Das spektakuläre Künstlerbuch 1₵ life versammelt farbenprächtige Lithographien von zahlreichen europäischen und amerikanischen Künstlern, darunter Protagonisten der Pop art wie Roy Lichtenstein, Andy Warhol und Mel Ramos. Robert Rauschenbergs voluminöses Mappenwerk zu Dantes Göttlicher Komödie rückt die mittelalterliche Höllenreise mit einer verstörenden Bilderwelt in das 20. Jahrhundert. Werke der Konzeptkunst von Ferdinand Kriwet, Ed Ruscha und Dieter Rot werden ebenso gezeigt wie die herausragende Künstlerzeitschrift „SMS“, die 73 Original-Multiples von den Hauptakteuren des Fluxus, der Konzeptkunst und der Pop art versammelt. Max Ernsts opulentes Malerbuch „Maximiliana“ vereinigt großformatige Farbradierungen und Seiten voller kryptischer Zeichen, der georgische Typograph Iliazd verschlüsselte die Texte in einer enigmatischen Satzanordnung.

Thomas Bayrles und Bernhard Jägers typographische Inszenierung von Ernst Jandls „Hosi Anna“ oder Das „Stierstädter Gartenbuch“ mit Schablonendrucken von Horst Antes beleuchten den avantgardistischen Pressendruck in Deutschland. Werke der Konkreten Poesie sind unter anderem vertreten durch Arbeiten von Eugen Gomringer, Gerhard Rühm und der Mappe „16 4 66“ der Edition Hansjörg Mayer, die Arbeiten von 16 Vorreitern versammelt. Ein weiteres Thema ist das Plakat, zentrale Stücke von Protagonisten wie Günther Kieser und Hans Hillmann sind zu sehen. Rudolf Franke und Eva Aschoff stehen exemplarisch für die wegweisende Schriftkunst der Zeit und Heinz Diekmanns großformatige Schrifttapisserie zeigt wie das Museum durch Aufträge eigene Impulse im Bereich zeitgenössischer Schriftkunst setzte.

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