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Babelsprech: Brasilien III

Redaktion: 

Fabiano Calixto (Quelle: Rádio Batuta)

Ricardo Domeneck gibt auf faustkultur (aus dem Englischen übersetzt von Max Oravin) einen dritten Blick auf die zeitgenössische brasilianische Lyrik frei:

Über zwanzig Jahre nach dem Ende der Militärdiktatur, die so viele Künstler zum Schweigen gebracht hat, haben wir nun eine neue Generation, zur Mitte der 2000er zur Reife gekommen, die mir den historischen und politischen/kontextuellen Implikationen ihrer Praktiken viel bewusster erscheinen als einige ihrer Vorläufer der letzten dreißig Jahre. Sie haben aufgehört, die poetische Funktion der Referenzfunktion in der Sprache entgegenzusetzen, als ob das eine das andere auslöschte, und scheinen nun an der Grenze von Durchsichtigkeit und Nichtdurchsichtigkeit des Zeichens zu arbeiten. Materialität und Konkretheit beachtend, verstehen sie die Dichte des Wortes in der Poesie, ohne einfach die visuelle Theatralisierung des Zeichens zu betreiben, wie wir es oft bei den Konkreten Dichtern und ihren Nachfolgern gesehen haben. Sie scheinen die Herausforderung von Susan Howes Frage aus ihrem My Emily Dickinson angenommen zu haben:

„Who polices questions of grammar, parts of speech, connection, and connotation? Whose order is shut inside the structure of a sentence?”

 

TAKKA TAKKA

Fabiano Calixto

zwischen bögen, wägen, verträgen zerrinnt das leben,
zäh, der toxische stoff hoffnung,
schon ohne geschichte, ohne die feuchtigkeit der finger
die davon kosten an den umrissen des wörterbuchs

das licht, aus der hölle erlöst, splittert
über dem tagtäglichen mut, fällt,
fällt in sich zusammen. das licht ist aderlass. schreit
dennoch (anderes licht) träume und sammlung
von hochzeiten, bei denen das glück
noch vor den nachrichten endet. deutlich, nach wie vor,
die paukenschläge, blei-ameisen
nagen an eingeweiden, morast im magen.

die kalte zärtlichkeit, mit der die dämmerung
den morgen weckt – ohne kanonen, sich entfernt
mit ihren schweren schritten, ihren
tand verwahrt im vergessen der sterne.

in den überresten der stadt (der nacht)
ein schmales, junges gesicht, unter
vom schlaf bewölkten blicken,
benday punktiert, schon fort,
läuft aus.

(übertragen von Odile Kennel. Takka Takka ist der Titel eines Gemäldes von Roy Lichtenstein)

Babelsprech: Brasilianische Dichtung, Teil 1
Babelsprech: Brasilianische Dichtung, Teil 2

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