Fixpoetry

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Fix Zone

Aspirinchen und Gegurke

Redaktion: 

Arno Schmidt, 1961. Foto Wilhelm Michels

Zitate, Zettelkästen, Manuskripte und Bücher, aber auch die Lederjacke, ein Teddy, ein Rindenholzschiffchen, eine Aspirinschachtel und Eingemachtes aus dem Keller: Hundert Ausstellungsstücke repräsentieren den Kosmos des sprachmächtigsten, innovativsten und provozierendsten Autors der Nachkriegszeit.
Das Werk Arno Schmidts (1914–1979), zu seinen Lebzeiten umstritten, inzwischen längst anerkannt, ist geprägt von Widersprüchen – wie sein Leben. So sind die Ausstellungsstationen zu Gegensatzpaaren geordnet: Tradition und Avantgarde, Antike und Zukunft, Preisträger und Verfolgter; aber auch: Vorrat und Mangel, gesund und krank, links und rechts. Ein virtueller Zettelkasten lässt hundert Schmidt-Wörter in einer Rundprojektion über der Ausstellung schweben.

Im Begleitprogramm sprechen Dietmar Dath, Reinhard Jirgl, Kathrin Röggla, Ingo Schulze und Uwe Timm über ihre erste Berührung mit Arno Schmidt (Mein erster Schmidt, 8.10.), die Kuratoren Susanne Fischer und Bernd Rauschenbach lesen aus „Seelandschaft mit Pocahontas“ (27.10.).
Eine Ausstellung der Arno Schmidt Stiftung und der Akademie der Künste. Mit freundlicher Unterstützung der Gesellschaft der Freunde der Akademie der Künste

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Gregor Dotzauer heute im tagesspiegel über die neue Ausstellung in der Akademie der Künste:

„Der Brocken, den er jahrelang vor sich hinwälzte, war ihm selbst nicht ganz geheuer. „die größte Hexe, die ich kenne, heißt AUSDAUER!“, schrieb Arno Schmidt 1967 an Hans Wollschläger, als ein Ende der Arbeit an „Zettel’s Traum“ noch nicht abzusehen war. Auch dass der Roman ihn auf „den Gipfel des Parnaß“ befördern würde, wollte er nicht glauben, „wird mein Büchlein doch, (wie Krawehl jüngst, besorgt, errechnete), 25 Pfund wiegen: wir haben vor, es mit Trageriemen binden zu lassen, und den größten Teil der Auflage unserer Bundeswehr, für Gepäckmärsche, zu offerieren“.

Entgegen den Extrapolationen seines Lektors wog das 1970 im Stahlberg Verlag erschienene Buch zwar nur zehn Kilo und umfasste 1334 DIN-A3-Seiten in dreispaltigem Umbruch. Doch die Folgen für Gesundheit und Ehe des Autors blieben verheerend. „Keine Spaziergänge mehr“, hatte Schmidts Frau und Sekretärin Alice notiert, „kein Sitzen im Garten – kein Sonntag – kaum die Möglichkeit eines Gespräches: auf Fragen nur abwesend nervöse Antworten: bestenfalls.““

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